Bauernregeln

Wer aus der Stadt aufs Land zieht, amüsiert sich gern über eine Eigenart der älteren Dorfbewohner: Bei den meisten Unterhaltungen geht's zunächst mal ums Wetter. Das mag oft ein dankbarer Gesprächseinstieg sein, und das Gärtnern als verbreitetes ländliches Hobby hat sowieso viele Wetterplaudereien zur Folge. Doch dahinter steckt auch ein gutes Stück bäuerliche Tradition, geboren aus einer Überlebensnotwendigkeit. Wo das Wetter früher ganz unmittelbar über Ernten oder Mißernten, über Sattwerden oder blanke Not entschied, war es zwangsläufig Thema Nummer eins.
Landwirtschaft und Gertenbau hängen nach wie vor entscheidend vom Wetter ab. Moderne Errungenschaften helfen jedoch, den Unbilden der Witterung zu begegnen, von Folienanbau über Hagelversicherungen bis zu tagesaktuellen meteorologischen Beratungs- und Warndiensten. Von solchen Möglichkeiten konnten die Bauern früherer Zeiten noch nicht einmal träumen. Unsere Groß- und Vorväter mußten deshalb notgedrungen lernen, das Wetter und seine Zeichen sehr genau zu beobachten.
Auch Beobachtungen und Erfahrungen wurden Regeln, als kurze, oft in Reimform gefaßte Merksätze formuliert. Sicherlich können und sollen Bauernregeln nicht mit der modernen Meteorologie konkurrieren. Aus ihrer wechselvollen Geschichte erklären sich schließlich auch einige "Ungereimtheiten", die Zweifel an ihrer Gültigkeit erlauben. Trotzdem erzielt so manch jahrhundertealter Merkspruch heute noch erstaunlich treffsichere Vorhersagen. Der ganz besondere Wert dieser überlieferten Weisheiten liegt jedoch in der aufmerksamen, sorgfältigen Natur- und Wetterbeobachtung, von der sie Zeugnis ablegen. Großvaters Bauernregeln können deshalb vor allem auch helfen und inspirieren, selbst ein Gespür für natürliche Vorgänge und "Wettererfahrung" zu entwickeln.