Geschichte des Befreiungskrieges 1806 bis 1815

Zunächst ist England die Seele des Widerstandes gegen die Eroberungsgelüste Napoleons. Es vereinigt sich 1805 mit Rußland und Österreich zur dritten Koalition, um den Gegner Napoleon niederzuringen. Friedrich Wilhelm III erklärte die strengste Neutralität Preußens. Die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 wendet das Kriegsglück zugunsten Napoleons; Österreich muß Frieden schließen.

Preußen demobilisiert sein Heer. Napoleon gründet am 12. Juli 1806 den Rheinbund mit 16 deutschen Fürsten, die sich damit von Kaiser und Reich lossagen. Kaiser Franz von Österreich legt am 6. August 1806 die deutsche Kaiserkrone nieder.

Am 14. Oktober 1806 kommt es zur Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt, wo das preußische Heer vernichtend geschlagen wird.

Am 9. Juli 1807 zwingt Napoleon in Tilsit Preußen einen Frieden auf. Preußen verliert die Hälfte seiner Gebiete; Danzig wird Freistaat. Napoleon wendet sich gegen Spanien. Diese Ablenkung nutzt Österreich und ruft die deutschen Völker zur Befreiung auf.

Tirol erhebt sich, sie kämpfen heldenmütig.

In der vierten Iselberg-Schlacht werden sie von Napoleon blutig zerschlagen.

In den Jahren 1807 - 1812 kommen tief einschneidende Reformgesetze zur Ausführung, deren geistige Urheber die Minister Stein und Hardenberg sind. General Scharnhorst gestaltet mit Hilfe Gneisenaus und Boyens das Heerwesen völlig um.

● Die allgemeine Wehrpflicht wird eingeführt.
● Der Turnvater Jahn begeistert die Jugend, sich sportlich zu regen und zu stählen.
● Fichtes Reden an die Deutsche Nation.
● Theodor Körners Freiheitslieder.

Eine Erkenntnis, ein neuer Geist erfüllt die Herzen der Deutschen. Napoleon entgeht diese Entwicklung / Wandlung nicht, sein Haß verfolgt die führenden Männer; Stein muß sein Ministeramt niederlegen, Blücher wird kaltgestellt, Gneisenau kann jahrelang nur im Verborgenen wirken.

Das Jahr 1812 bringt endlich die Wende.

Im Frühjahr 1812 marschiert Napoleon gegen Rußland. Napoleon siegt bei Borodino. Am 14. September 1812 erreicht Napoleon Moskau; die Stadt ist ein einziges Flammenmeer. Er muß Moskau verlassen und wird von den Russen und Kosaken verfolgt.

Im Dezember 1812 erreichen die Reste der Grand Armee die preußische Grenze. Von 600'000 Mann konnten sich nur 45'000 Mann retten.

Das preußische Korps unter Yorck hat nicht an den Kämpfen bei Rußland teilgenommen.

Yorck schließt am 30. Dezember 1812 mit dem russischen General Diebitsch die Konvention von Tauroggen ab, womit sich das preußische Korps von der französischen Armee loslöst und sich für neutral erklärt. Friedrich Wilhelm III mißbilligt nach außen hin den Schritt Yorks.

Wilhelm III begibt sich am 23. Januar 1813 nach Breslau; hier ist er vor französischen Eingriffen sicher. Am 3. Februar erläßt Hardenberg im Auftrag des Königs den Aufruf zur Bildung freiwilliger Jägerkorps. Zu Tausenden strömen die jungen Freiwilligen herbei.

Am 16. März 1813 wird an Frankreich der Krieg erklärt.

Am nächsten Tag erläßt der König den berühmten "Aufruf an mein Volk". Gleichzeitig zieht Yorck in das befreite Berlin ein.

Der Frühjahrsfeldzug 1813 verläuft für die Verbündeten keineswegs glücklich. Nach der verlorenen Schlacht bei Großgörschen weichen die Verbündeten hinter die Elbe zurück.

Bei Bautzen kommt es zur zweiten großen Schlacht, die die Verbündeten wiederum verlieren. Der Rückzug nach Schlesien läßt sich nicht vermeiden. Der Waffenstillstand von Poischwitz unterbricht für kurze Zeit die Kämpfe und wird von beiden Seiten genutzt, die Armeen zu stärken.

Am 12. August 1813 übergibt auch Österreich die Kriegserklärung an Frankreich, ebenso treten England und Schweden dem Bündnis bei.

Drei große Armeen unter Schwarzenberg, Blücher und den Kronprinzen von Schweden werden gebildet. Schon zu Beginn des Herbstfeldzuges 1813 zeigt sich ein völliger Wandel bei den Verbündeten. Die preußische Landwehr unter Blücher überrennt die Franzosen bei Großbeeren. Blücher gewinnt die Schlacht an der Katzbach. Napoleon siegt zwar noch einmal bei Dresden, dann aber folgen Schlag auf Schlag die Niederlagen; bei Kulm, Dennewitz und Wartenberg siegen die Verbündeten.

Mitte Oktober 1813 zieht sich Napoleon aus Leipzig zurück. Die drei Armeen der Verbündeten umklammern ihn. Napoleon nimmt dennoch den Entscheidungskampf an. Vom 16. bis 19. Oktober 1813 tobt die Völkerschlacht bei Leipzig. Napoleons Widerstand bricht am 19. Oktober 1813 vollständig zusammen. Der Rückzug der Franzosen ist fluchtartig. Ende 1813 ist Deutschland bis zum Rhein von französischer Herrschaft völlig befreit.





Das Gefecht am 16. Oktober 1813

Der 16. Oktober war trübe und regnerisch angebrochen. Erst später klärte sich der Himmel auf. Um 8 Uhr morgens gaben drei Signalschüsse den Verbündeten das Zeichen zum Angriff. Es begann sofort eine Kanonade, welche 5 Stunden lang gewaltig tobte. Der erste Kampf drehte sich um Markkleeberg. Die Preußen unter Kleist nahmen gegen 9 1/2 Uhr das Dorf.

Poniatowski und Augerau stehen ihnen gegenüber. Viermal gehen sie zurück, dem furchtbaren Geschützfeuer weichend, viermal erstürmen die preußisch-russischen Garden den Ort von neuem. Zum fünften Male nehmen Sie das Dorf und behaupten es mit größter Anstrengung gegen die immer wieder andringenden Attacken der Polen und Franzosen.

Inzwischen ist östlich davon der Kampf um Wachau mit seiner ganzen Wut entbrannt. Kaum hat Prinz Eugen von Würtenberg hier mit seinen Russen und Preußen den Angriff begonnen, als plötzlich sich im Angesicht seiner Truppen die gesamte Erhöhung zwischen Wachau und Liebertwolkwitz mit mehr als 100 Geschützen bedeckte. Er war der ganzen Wucht des Geschützfeuers ausgesetzt. Aber er weicht nicht; er weiß, nur indem er Wachau hält, kann er die Schlacht halten.

Aber umsonst, die Zahl der Opfer wächst. Das Geschützfeuer hält unvermindert 5 Stunden an. Gegen Mittag war Wachau für die Verbündeten verloren. Prinz Eugen muß sich entschließen und weicht auf Güldengossa zurück. Mit überlegenen Kräften drangen auf den rechten Flügel McDonalds Korps gegen Klenau bei Liebertwolkwitz vor. Der Kolmberg in der Nähe wird zum Schauplatz eines blutigen Kampfes. Klenaus Korps muß bis Groß-Pösna und Seifertshain zurück.

Furchtbar war indessen die Schlachtlinie Napoleons angewachsen. Er zeigte sich hier wieder als Meister in der Beherrschung der Situation. So lenkte er (von Kolmberge bei Liebertwolkwitz aus) nach einem einzigen Gesamtplane seine tausendgliedrige Schlachtordnung. In weitem Bogen von Connewitz bis Groß- und Klein-Pösna hatte er alle Lücken ausgefüllt. Währe es ihn gelungen, die Korps von Marmont und Ney herbeizuziehen, so wäre sein Sieg bei Leipzig auf der ganzen Linie entschieden.

Plötzlich, wie durch Zauberschlag, verstummt einen Moment das furchtbare Gebrüll der Kanonen. Ein anderer Sturm erhebt sich. Weithin, so weit das Ohr reicht, Pferdegetrappel und Waffengeklirr, daß die Erde erbebt. 8'000 Reiter brausen heran, an der Spitze Murat, der Kühnste der Kühnen. Das kleine, zusammengeschmolzene Korps des Prinzen Eugen muß wiederum den ersten Ansturm aushalten.

Von den auf den Höhen aufgestellten preußischen Batterien beschossen kommt die mächtige französische Reitermasse nicht mit der Wucht zum Angriff, die Murat beabsichtigte. Auch die von Eugen herbeigerufene russische Kürassierdivision ist inzwischen eingetroffen; und die von General von Pahlen schnell zur Unterstützung geschickten russischen Dragoner und Kürassiere greifen ein. Jetzt entsteht ein wilder Reiterkampf, Mann gegen Mann, Degen gegen Degen, Lanze gegen Lanze. Die Situation wird für die Franzosen kritisch; schon sind Reiter in lose Schwärme aufgelöst, einzelne schon jagen nach Wachau zurück. Der große Reiterangriff, kühn gedacht und wacker ausgeführt, ist gescheitert, nicht zuletzt an dem heldenhaften Widerstand der kleinen zusammengeschmolzenen russischen Bataillone Eugens, die nach neunstündigem Kampfe durchgehalten hat, bis Hilfe dawar. Napoleon schäumte; wenn jetzt Marmont und Ney einträfen, aber er hatte erfahren, daß nur noch Teile ihrer Korps vorhanden waren. Doch so leicht läßt Napoleon nicht los; was die Reiter nicht vermocht haben, sollen Infanteriemassen erreichen.

Lauristons Korps rückt unter Maison zum Sturm gegen Güldengossa vor. Aber die herbeieilenden russischen und preußischen Garden füllen die Lücken der Schlachtlinie der Verbündeten aus. Als sich dann die Nacht über das Schlachtfeld senkte, war nach neunstündigem verzweifeltem Ringen für Napoleon die Lage strategisch dieselbe wie zum Beginn des Kampfes. Nur ein kleiner Zwischenraum zwischen Wachau und Güldengossa war ihm in die Hände gefallen. Der Abend des 16. Oktober war, da der Gang der Ereignisse Napoleon vor einen folgenschweren Entschluß stellte, der vielleicht verhängnisvollste seines Lebens.

Sollte er den Kampf fortsetzen, oder sollte er den Rückzug antreten? Daß das Letztere für ihn die einzige Rettung gewesen wäre, ist heute die ziemlich einhellige Ansicht der geschichtlichen Forschung. Es stehen aber noch 2 Tage an.





Die Schlacht am 18. Oktober 1813

Nach einer kalten und regnerischen Nacht war der Morgen des 18. Oktober trübe und neblig angebrochen. Erst gegen 8 Uhr klärte sich der Himmel auf, und wie ein feuriger Ball stieg die Sonne über dem Schlachtfelde empor, das heute über eine halbe Million Menschen aus allen Ländern Europas zum letzten entscheidungsvollen Ringen vereinigen sollte. Napoleon verließ schon frühmorgens sein Zelt in Stötteritz und begab sich nach Reudnitz zu Marschall Ney und danach nach Lindenau zu General Bertrand, dem er den Befehl erteilte, nach Weißenfels zu marschieren. Napoleon kehrte auf dem gleichen Weg zurück nach Stötteritz.

Von Markkleeberg, Dölitz und Liebertwolkwitz her hallten ununterbrochen die Geschütze. Die Verbündeten wollten zu dieser Zeit den Übergang über die Pleiße bei Dölitz, Lößnig und Connewitz erzwingen.

Napoleon begab sich flugs in diese Richtung, auf dem sogenannten Tonberge neben der Quandtschen Tabaksmühle bei Stötteritz hatte er den größten Teil des 18. Oktober zugebracht.

Die Gesamtstärke des französischen Heeres und der Verbündeten:

Gefechtsstärke Napoleon Verbündete
Anzahl Kämpfer 160'000 295'000
Geschütze 630 1'466

Deutlich ist die Übermacht der Verbündeten zu erkennen.

Die ganze Aufstellung der französischen Armee bildete einen Kreis von etwa zwei Meilen Umfang.

Der Angriff am 18. Oktober sollte in sechs Kolonnen vor sich gehen; es nahmen daran teil:
● das Korps des Erbprinzen von Hessen-Homburg (Österreicher),
● das Korps Barclay de Tollys (Russen und Preußen),
● das Korps Gyulais bei Lindenau.

Um 7 Uhr gab Fürst von Schwarzenberg den Befehl zum Angriff.

Die Österreicher unter Führung des Erbprinzen Hessen-Homburg gingen von Markkleeberg aus gegen Dölitz und Dösen vor, um die Franzosen von der Pleiße fortzudrängen. Zuerst wird Dölitz erstürmt; um 10 Uhr wird Dösen im Sturm genommen. Der Prinz von Hessen-Homburg wird schwer verwundet. An seiner Stelle übernimmt Colleredo die Führung. Die Franzosen und Polen wurden bis zu ihrer starken Stellung bei Connewitz an der Pleiße zurückgedrängt. Da erscheint, von Napoleon entsandt, Oudinot mit zwei frischen Gardedivisionen. Schritt für Schritt zurückweichend, sehr tapfer kämpfend, müssen die Österreicher über Dölitz zurück. Sie behaupteten sich wieder und waren zu Mittag wieder bis Lößnig vorgedrungen; es gelingt ihnen nicht, Connewitz wieder zu nehmen. Mit unbeschreiblicher Tapferkeit fechten hier die Polen und die jungen Garden, von Augerau und Oudinot vorzüglich geführt; und am Abend sind dort die Adler der französischen Armee noch unbesiegt.

Inzwischen hatte östlich davon bei der Angriffskolonne Barclays de Tolly der Kampf eingesetzt. Auf dem linken Flügel dieser Kolonne war Kleist über Wachau, auf den rechten Wittgenstein über Liebertwolkwitz gegen Probstheida vorgegangen. Hier bildete die französische Verteidigungslinie einen nach Süden vorspringenden spitzen Winkel. Aber Probstheida hatten die Franzosen als starke Stellung ausgebaut, hohe Lehmmauern waren errichtet, jede Straße, jedes Haus war eine einzelne Festung. Probstheida deckte Marschall Viktor; dahinter stand Lauristons Korps. Auch McDonald, zur Rechten Probstheidas, war nahe genug. Die Brigaden von Pirch und Prinz August gingen gegen Probstheida vor.

Napoleon hatte die Situation seiner Getreuen bemerkt; er eilte Richtung Probstheida. Die Grenadierbrigade Michel der alten Garde mußte zurückgehen; die junge Garde folgt. Drouts Riesenbatterie fährt auf, und aus 150 Geschützen donnert Tod und Verderben in die Scharen der Preußen und Russen. Der Widerstand der Franzosen ist so groß, daß es den Verbündeten auch bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht gelingt, Probstheida zu nehmen. Die Kämpfe dauerten bis in die Nacht hinein.

Erst gegen 2 Uhr nachmittags war die von Bennigsen geführte Angriffssäule an den Feind gekommen. Ihr standen die Korps McDonald und Reyniers sowie die Reiter Sebastians gegenüber. Es wurde heiß um die Dörfer Zuckelhausen, Holzhausen und Baalsdorf gekämpft. Das österreichische Korps Klenau eroberte nach zweistündigen Kampf Holzhausen, andere Österreicher das Dorf Baalsdorf. Den Russen war es am Abend gelungen, sich in Zweinaundorf festzusetzen. Auf dem rechten Flügel von Bennigsen versuchte sich die österreichische Division Bubna der Dörfer Mölkau und Paunsdorf zu bemächtigen. Die Lage der Franzosen hier war äußerst prekär. Sie wurde durch ein denkwürdiges Ereignis noch erschüttert; hier war es, wo eine ganze Division Sachsen, etwa 3'000 Mann mit 19 Kanonen, ohne Wissen und Willen ihres Königs, zu den Verbündeten überging.

Inzwischen war auch die vierte große Angriffssäule, das Nordheer unter dem Kronprinzen von Schweden, herangekommen. Preußische Bataillone und österreichische Jäger drangen in Paunsdorf ein und warfen den Feind hinaus, der in Verwirrung auf Sellerhausen zurückging.

Endlich sind auch die Reste vom Bülows Korps unter Witzingerode und Woronzow eingetroffen. Die ganze verfügbare Streitmacht des Nordheeres ist zwischen Paunsdorf und Sellerhausen zur Stelle. Den Druck der Verbündeten können die Franzosen nicht aushalten, und sie ziehen sich bei Einbruch der Dunkelheit, von Hessen-Homburg und Kraft verfolgt, bis auf die Kohlgärten von Leipzig zurück.

Der russische General Langeron hatte die schwierige Aufgabe, Marschall Ney das wichtige Dorf Schönefeld abzuringen. Bereits in aller Frühe war er von Eutritzsch in Richtung Mockau zum Parthefluß vorgerückt. In aller Eile schlug er hier eine Brücke nach Abtnaundorf, um sein Geschütz hinüberzubringen, während Reiterei und Fußvolk durch das Wasser ging. Marschall Neys Stellung dehnte sich in einem mächtigen Winkel von Gohlis über Schönefeld bis Paunsdorf aus.

Bald ist Schönefeld nur ein einziges Feuermeer. Hier wurde auf beiden Seiten äußerst hart gekämpft; bis zu den letzten Häusern von Schönefeld werden die Verteidiger geworfen. Danach verteidigen sie die Gärten und den Kirchhof, wo mehr Tote auf dem Rasen als darunter lagen. Erst am Abend gelang es den Russen, Schönefeld dauernd zu behaupten. 4'000 Mann hatte dieser Kampf dem Langeronschen Korps gekostet.

Die fünfte Angriffssäule, die schlesische Armee, bestand aus 25'000 Mann, aus den Korps York und Sacken. Die wirkliche Seele war aber Blücher; er hatte York und Sacken gegen Leipzig geschickt. York hatte den ganzen Tag über Kämpfe bei Gohlis, dem Rosenthal und bei den Vorstädten Leipzigs auf der Nordseite.

Die sechste Angriffssäule, die des österreichischen Feldzeugmeisters Gyulai. Zunächst hatte Schwarzenberg einen Teil von Gyulais Korps zur Unterstützung Hessen-Homburgs herangezogen. Mit seinem Rest von 16 Bataillonen und ca. 20 Schwadronen sollte Gyulai den Feind beobachten und sich im Notfall auf Pegau zurückziehen. Mit diesem Befehl hatte Schwarzenberg nichts Geringeres getan, als dem französischen Heere den Rückzug preisgegeben.

Auf dem Monarchenhügel hatten Kaiser Alexander und König Friedrich Wilhelm III mit dem Fürsten Schwarzenberg und dem gesamten Oberkommando den ganzen Tag über den Verlauf des Kampfes verfolgt. Am Nachmittag war auch Kaiser Franz von Österreich von Rötha her eingetroffen. Der Sieg der Verbündeten war nahe; immer mehr fliegende Boten trafen am Monarchenhügel mit guten Botschaften ein.

Napoleon diktierte den Befehl für den Rückzug für den folgenden Tag. Von Murat begleitet verließ er dann das Schlachtfeld und ritt nach Leipzig.





Die Schlacht am 19. Oktober 1813

Der Tag des 19. Oktober war ein schöner Herbsttag. Der Kaiser von Rußland und der König von Preußen, begleitet von einer großen Anzahl russischer, preußischer und österreichischer Generale und einem Teil ihrer Truppen, hielten auf einer Anhöhe vor der Stadt Leipzig. In diesen Augenblick kam plötzlich von der Stadt ein feindlicher Offizier, abgesandt an den Kaiser von Rußland, um ihm von Seiten des Königs von Sachsen gewisse Bedingungen vorzuschlagen: Seine Majestät der König von Sachsen sei bereit, die Stadt Leipzig den verbündeten Truppen ohne Kampf zu übergeben, wenn man den französischen Truppen vier Stunden Zeit zu einem freien Abzug zugesteht. Der Kaiser von Rußland lehnte dies ab.

Der Kaiser schickte gleich darauf seine Adjutanten ab, den Kolonnen Befehl zu geben, zum Sturm aufzubrechen.





Die Erstürmung des äußeren Grimmaischen Tores

Erinnerung von Friccius (Major Karl Friccius, Führer der Königsberger Landwehr), Geschichte des Krieges 1813: Es war ungefähr 11 Uhr. Das Tor war stark befestigt. Oben auf der Spitze, um das Übersteigen zu verhindern, mit starken eisernen Widerhaken und unten mit vielen Schießlöchern versehen. Das Wacht- und Zollhaus, nahe am Eingang des Tores rechts, war verlassen, aber die Häuser, welche zum Teil die Vorstadtmauer nach den Hintertore bilden, besonders aber das Gebäude, welches auf dem Kirchhofe steht, eine Fortsetzung der Kirchhofsmauer ist und einen spitzen Winkel mit dem Tore bildet, war stark vom Feinde besetzt. Die Truppen, welche also gegen das Tor anrückten, erhielten von vorne und von beiden Seiten ein nahes starkes Feuer, ohne dem Feinde hinter seinen Bollwerken viel schaden zu können. Zum Sturm war nichts vorbereitet. Wir hatten keine Leiter, keine Axt, keine Brechstange, noch ähnliche Instrumente zur Hand; kein Zimmermann, kein Pionier war uns zur Seite; kein Geschütz in der Nähe, um das Tor einzuschießen. Immer stärker wurde aus der Stadt, aus allen Fenstern, von allen Dächern, selbst von Johanniskirchturm herab, welcher zur Warte zu dienen schien, auf uns geschossen. In jeder Minute traf ein Schuß.

Mein Pferd erhielt eine Kugel in die Kinnlade und war nicht mehr zu bändigen. Ich mußte nun den Dienst zu Fuße fortsetzen. Indessen nützt es in einem Straßengefechte dem Stabsoffizier nichts, beritten zu sein. Die vielen in Leipzig gebliebenen und verwundeten Stabsoffiziere beweisen dies. Vielleicht habe ich dem Verluste meines Pferdes meine Erhaltung zu verdanken. Vorwärtskommen war nicht möglich, Stehenbleiben unfehlbares Verderben, und dem Ziele so nahe, zog jeder den Tod einem Rückzug vor... Endlich entdeckte Gäsebeck (Adjutant von Friccius) eine schwache Stelle in der Mauer, rechts zwischen den Pfosten des Tors und dem Armenhause. Ich ergriff das Gewehr des nächsten Landwehrmannes und stieß mit dem Kolben die dünne Mauer ein. Sie stürzte schnell zusammen, da mehrere Landwehrmänner kräftig dabei halfen.

Als die Öffnung groß genug war, sprang ich selbst durch die gelegte Bresche und rief den Meinigen zu: "Ihr werdet mich nicht verlassen!" Entzückt über unser schnelles Eindringen, äußerte der Prinz (von Hessen-Homburg): "Wahrlich, die Landwehr erwirbt sich heute einen großen Ruhm und übertrifft manche Linientruppen." Soweit Major Karl Friccius.

Nach starken Verlusten auf beiden Seiten gewannen die Verbündeten immer mehr Boden in der Stadt.

Nach den großen Verlusten, die Napoleon im Norden und Osten von Leipzig erlitten hatte, sah er ein, daß die Schlacht für ihn verloren und seine Stellung unhaltbar geworden war. Um nicht abgeschnitten und gefangengenommen zu werden, ordnete er den Rückzug an und überließ die Verteidigung der Tore Poniatowsky und McDonald.



Die Sprengung der Elsterbrücke

Diese hohe steinerne Torbrücke über die Elster sollte gemäß des von Napoleon in der vorigen Nacht gegebenen Befehles, sobald die letzte französische Abteilung sie überschritten hatte, gesprengt werden, damit der Feind nicht nachfolgen könne. Demzufolge war noch in dieser Nacht ein Floß mit drei Pulverfässern unter sie gefahren, an einen Bogen mit einem Taue fest angebunden und zum Anzünden vorbereitet worden. Oberst Montfort hatte die Weisung, daselbst den richtigen Zeitpunkt zur Sprengung wahrzunehmen. Zufolge eines französischen Berichtes nun will Montfort bemerkt haben, daß der Feind mit Haubitzen nach dieser Brücke schieße, und dies soll ihn bestimmt haben, mit seinen daselbst aufgestellten Leuten ebenfalls abzuziehen. Die Zurückgelassenen mußten glauben, daß der Zeitpunkt der Gefahr bevorstehe. Unmittelbar nachher schrieen mehrere über die Brücke gekommene Befehlshaber den Rottmeister heftig an: Warum er denn die Brücke nicht in die Luft sprenge, jeder Augenblick Aufschub bedrohe immer mehr die Sicherheit des Heeres. Gleich darauf - es ging stark auf 1 Uhr - kamen aus dem Rosenthal je feindliche Jäger, die fliehende Franzosen verfolgten, und ihre Büchsen knallten ganz aus der Nähe auf die Brücke. An Verteidigung war nicht zu denken; daß der Feind der inneren Stadt sich noch nicht bemeistert hatte, wußte Lafontaine (er war mit der Sprengung beauftragt - Korporal der Franzosen) nicht. Er sah die verworrene Flucht, sah die Feldherren im Gewirre forteilen, er hörte die ängstlichen Zurufe aus der Menge: Legt Feuer an! Legt Feuer an! Er hörte das Hurra des Feindes - Die Brücke flog in die Luft. Dem Abzug des französischen Heeres war ein Ende gemacht. Vielleicht 20'000 Franzosen waren noch jenseits, noch McDonald, noch Poniatowsky, noch Lauriston, noch Reynier, noch Arrighi. In der Stadt wußte man nicht, was der dumpfe Schall bedeute, aber unter den Franzosen verbreitete sich schnell die erschreckende Kunde. Die Brückensprengung, die den einzigen Rückweg abschnitt, zerbrach auch in Leipzig selbst die Gegenwehr. Was noch an alten Banden der Zucht gehalten hatte, riß nun, alles löste sich auf; der Gedanke der Rettung, die Pein, im Stiche gelassen zu sein, war das einzige, was noch beschäftigte. Jetzt warfen Tausende ihre Waffen fort und eilten der Elster zu. In ihrer Angst sprangen sie hinein; viele Hunderte aber, die nicht schwimmen konnten, fanden in dem angeschwollenen Wasser ihr Grab.

"Viktoria! Stadt gewonnen!", verbreitete sich jetzt der Jubelruf. Am Blindentor und Wendlers Gutspforte kam die hessische Leibgarde dem 23. Leichten zur Hilfe. Erst um halb eins wälzte sich eine Brigade Langerons durch die Gerbergasse zum Holzmarkt, den rastlos "Vorwärts!"-schreienden Blücher an der Spitze. Rosenthal - Totental! Sacken erneuerte seinen Angriff auf das Hallesche Tor; hier schlug ihm heftiger Widerstand entgegen, auch waren große Teile des Feindes auf ungeordnetem Rückzug und damit Rettung ihrer Haut. Die Schützen der 1. Pommerschen überrollten hart kämpfend am Roßplatz den Feind und eroberten 20 Geschütze und drei Adler.

Unter dem letzten Donnern der Völkerschlacht kam Blücher auf den Roßplatz geritten und weiter Richtung Markt. Auf den Markt sprach jetzt der König der Preußen unter dem Rauschen vielfältigen Jubels zum Marschall: "Schon wissen, lieber Blücher, immer große Stücke auf Sie gehalten. Ihre Sache ganz brav gemacht: Werde nicht vergessen." Der alte Blücher aber nicht faul: "Ick habe man bloß meine Schuldigkeit jetan, aber meine braven Kerls, ja die haben mehr jetan!" Doch das wurde vergessen.





Verluste nach der Völkerschlacht 1813

Die Dörfer Auenhain, Meusdorf und der heitere Blick waren ganz zerstört. Die Kirchen von Holzhausen und Schönefeld waren niedergebrannt.

Die Zahl der der zerstörten Häuser (meist durch Brand) nach Orten / Dörfern:
● Möckern: 48
● Schönefeld: 41
● Liebertwolkwitz: 34
● Probstheida: 16
● Paunsdorf: 15
● Zweinaundorf: 10
● Lößnig: 9
● Baalsdorf: 8
● Lindenau: 7
● Gröbern: 6
● Wachau: 5
● Eutritzsch: 4
● Holzhausen: 4
● Markkleeberg: 4
● Mockau: 4
● Sellerhausen: 4
● Stötteritz: 4
● Connewitz: 3
● Dölitz: 3
● Dösen: 3
● Gossa: 2
● Radefeld: 2
● Störmthal: 2
● Gautzsch: 1
● Schleußig: 1
● Seifertshain: 1
● Zuckelhausen: 1

Napoleon verlor:
● 38'000 Tote und Verwundete
● 15'000 Gefangene
● 15'000 Kranke und Verwundete in Leipziger Lazaretten
● 5'000 Versprengte, Deserteure u.a.
● 28 Fahnen und Adler
● 900 Munitionswagen
● 325 Geschütze
● 40'000 Gewehre
● 6 Generäle tot (darunter Fürst und Marschall Poniatowsky)
● 112 Generäle verwundet (darunter die Marschälle Ney, McDonald und Mormont)
● 36 Generäle gefangen
● 72'000 Offiziere und Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen insgesamt

Die Verbündeten verloren:
● 51'982 Mann an Toten und Verwundeten
● 1'792 Offiziere an Toten und Verwundeten, darunter 5 Generäle (Schewitsch, Neworowski, Manteuffel, Fürst Kudaschew, Lindfors)
● 10 Generäle verwundet (Erbprinz von Hessen-Homburg, Prinz Ludwig von Hessen-Homburg, Hardegg, Nostiz, Mohr, Splenyi, Rajewski, Duca, Lewaschow, Prinz Karl von Mecklenburg)





Einige der Helden der Völkerschlacht bei Leipzig

Napoleon

geboren 15. August 1769 in Ajaccio

gestorben am 5. Mai 1821

"Daß keiner ihn grüßt, wenn er einzieht, sonst gibt's Wichse! Ist er schon hier, das Ungeheuer, die Gottesgeißel? Daß der deutsche Boden in verschlänge!" So plauderte erregt ein Schwarm Leipziger Studenten, draußen am Feldrain südöstlicher Gemarkung vor den Toren der Stadt... Sie stimmten das Lied von Lützows wilder verwegener Jagd an, als plötzlich zwischen den Bäumen ein einzelner Reiter hervorkam. Erst etwas dahinter ward Gefolge sichtbar. Napoleon, jeder wußte wer es war. Als Napoleon langsam vorüberschlenderte, da geschah etwas Seltsames. All diese Jünglinge, die sich verschworen, ihm den Gruß zu verweigern, standen da, die Mützen in der Hand, wie auf Kommando in Reih und Glied, das Haupt entblößend. Der Cäsar nickte leicht mit kurzem Wink und ritt über das Feld dahin. Sie starrten ihm nach, der Sie schon vergaß. Sie aber würden ihn wohl nimmer vergessen. In beklommenem Schweigen zogen sie heim, und endlich fand einer das erlösende Wort: "ER IST DOCH EIN GROSSER MANN!"

Gebhard Leberecht von Blücher

geboren am 16. Dezember 1742 in Rostock

gestorben 12. September 1819

Marschall Vorwärts, er schreibt am 20. Oktober 1813 an seine Frau: "Ihr könnt Euch aufhalten, wo Ihr wollt; ich schlage Euch Leipzig vor, es ist ein angenehmer Ort, und da ich Leipzig, welches man in Brand schießen wollte, dadurch gerettet, daß ich verbot, keine Granaten hineinzuwerfen, so wird man Euch auf Händen tragen."

Blücher erlebte eine Karriere mit allen erdenklichen Höhen und Tiefen. 1773 sagte der König von Preußen über Blücher: "Der Rittmeister Blücher soll sich zum Teufel scheren!"

Karl Philipp Fürst zu Schwarzenberg

geboren 15. April 1771

gestorben am 15.10.1820 (bei einem Aufenthalt in Leipzig)

1813 Feldmarschall und Oberbefehlshaber der Verbündeten. Durch die Anwesenheit der 3 Monarchen wurde ihm seine Tätigkeit erschwert.





Die Leipziger Bürgergarde

Über Leipzig, mit seinen damaligen ca. 32'000 Bewohnern, wurde am 21. Juni 1813 der Belagerungszustand verhängt.

Am 25. Juni 1813 sorgte für eine erhebliche Aufregung in der Stadt Leipzig, zunächst erst als Gerücht, dann aber durch Anschlag in deutscher und französischer Sprache, daß eine Bürgergarde von 2'000 Mann aufgestellt werden sollte. Unterzeichnet war der Befehl vom Stadtkommandanten, General Bertrand. Den Zweck der Bürgergarde, die aus den reichsten und vornehmsten Bewohnern des hiesigen Orts gebildet werden sollte, konnte man leicht erraten.

Sie sollte dafür garantieren, daß sich ähnliche Vorkommnisse wie die des 17. Juni 1813 nicht wiederholten, als auf dem Roßplatz einem Lützowschen Parlamentär vor der Wohnung des Herzogs von Padua Hurrarufe ausgebracht und die französischen Wachen insultiert worden waren.

Der Ton der neuen Anordnung war recht dringlich. Schon für den 26. Juni 1813 wurden deshalb vom Rat alle Bürger zwischen dem 20. und dem 45. Lebensjahr ohne Unterschied des Ranges um 9 Uhr früh in den Rathaussaal befohlen. Doch diese erste Musterung ergab, daß deren Zahl nicht ausreichte. Deshalb wurden nun auch die sogenannten Schutzverwandten, die unter der Gerichtsbarkeit der Stadt standen, ohne das Bürgerrecht zu besitzen, für den 28. Juni ins Rathaus bestellt und das Alter auf 55 Jahre erhöht.

Eine Abordnung der Bürgerschaft reiste am 3. Juli nach Dresden zu einer Audienz bei Napoleon, um dabei die Fragen der Bürgergarde zu besprechen. Napoleon machte die Aufhebung des Belagerungszustandes von Leipzig von der Errichtung einer tüchtigen Bürgergarde abhängig, die von einem geeigneten Sächsischen Offizier mit Klugheit, aber auch mit Kraft kommandiert werden müßte. Im Übrigen bestand Napoleon nicht auf 2'000 Mann, sondern erklärte sich mit der Verminderung auf 1'200 Mann einverstanden.

Die Wahl fiel auf den Major im Infanterieregiment von Rechten, Johann Ludwig von Lenz, den die Kenntnis beider Sprachen und die Bekanntschaft mit französischen Verhältnissen, wie es im Schreiben des Generalleutnants von Gersdorf an die Stadt heißt, besonders empfohlen. Im Feldzug von 1808 war von Lenz Adjutant im Generalstab Bernadottes gewesen und sogar mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet worden.

Johann Ludwig von Lenz fand bei seiner Ankunft am 5. Juli die Bürgergarde als bereits gebildet vor. Die Errichtung der Garde in so kurzer Zeit war im wesentlichen Oberst Mayers Verdienst. Die Einteilung der nunmehr 1'200 Mann starken Bürgergarde erfolgte in 2 Bataillone zu je 4 Füsilierkompanien und 1 Grenadierkompanie. Jedes Bataillon war ohne Offiziere 600 Mann stark.

Der Waffenstillstand zwischen Napoleon und den Verbündeten lief erst mit den 13. August 1813 ab; so fand von Lenz zunächst diesen Dienstplan vor:

Etat du Service à fournir par la Garde Bourgeois de Leipsic a dater du 3 Julliet 1813

No. Officiers Sergant Capr. Tambour Fusillier Totaux
1. Piquer sur la Place 1 1 2 1 50 55
2. Garde de S.E.le Duc 1 13 14
3. Petersthor 1 2 18 21
4. Grimmaischthor 1 3 28 32
5. Hallischthor 1 12 13
6. Randstäterthor 1 3 24 28
7. Le Château 1 3 4
8. Barfußpförtgen 2 2
9. Thomaspförtgen 2 2
Totaux 1 4 13 1 152 171

Als regulärer Dienst waren dabei das Patrouillieren auf Straßen und öffentlichen Plätzen und die Besetzung einiger Ehrenposten festgelegt. Die Torwachen aber und alle Posten, die bisher die Stadtsoldaten besetzt hatten, sollten davon ausgenommen sein.

Die Ausrüstung bestand vorwiegend aus Säbeln, die man dem Gewandhause entnahm. Das Tragen der Waffen war nur zur Wachzeit erlaubt.

Das Uniformtuch war dunkelblau, für das Musikkorps hellblau, die Gardisten trugen rote und die Offiziere goldene Achselstücke und ansonsten die Abzeichen der Armee.

Die Bürgergarde, deren Dienst in den Tagen der Völkerschlacht natürlich gestört war, zeigte sich nach dem 19. Oktober 1813 sehr tätig. Ihr Einsatz bei der Aufräumung des Schlachtfeldes, bei der Beschaffung von Einrichtungsgegenständen für die Spitäler und beim Begraben der Toten aus den Lazaretten wird mehrfach lobend erwähnt. Der General-Gouverneur Fürst Repin hat in einem Schreiben an den Leipziger Bürgermeister Dr. Siegmann am 13. November 1813 angeregt, die Bürgergarde zu entlassen und aus ihren jüngeren Mitgliedern einen Stamm für die Leipziger Landwehr zu bilden.

Am 26. Februar 1814 erfolgte die Auflösung der Leipziger Bürgergarde.





Kuriositäten

Trotz der damaligen schweren Zeit fand sich hier und da etwas, was man heute als Kuriositäten bezeichnen kann.

Der alte Blücher schreibt aus dem Feld

Blücher an seine Frau, Borna den 4. May 1813 (zwei Tage nach der Schlacht bei Groß-Görschen) ... Was vor nachricht Du auch erhälst, so sey ruhig, den ob ich gleich 3 kugell erhalten und auch ein Pferd erschossen, so ist doch alles nicht gefährlich, und ich bin und bleibe in volliger tetigkeit. Satisfaction habe ich genug, den ich habe den Herrn Napoleon zwey mahl angegriffen und beide mahl geworfen. Die Schlacht ist so mörderisch gewesen, daß beide theile erschöpft waren und beide mangel an amunition hatten. Der Feind hat ungleich mehr wie wihr verlohren, aber es ist auch manche brave waffen Bruder aus der Weld geschieden. Franz (Blüchers erster Sohn) ist wieder gentzlich her gestellt vor heute kan ich nicht mehr schreiben, da ich auß maschire ... ich habe ein Schuß im Rücken, der mich sehr schmerzt, die kugell bring ich dich mit ... Dein Blücher

Über Murat - König von Neapel

Leipzig, den 15. Oktober 1813, wieder einmal Glück für Murat ... in Reudnitz (heute Leipzig) erschien der König von Neapel vor seinem Schwager. Napoleon vernahm gelassen, daß das große Reitergefecht bei Liebertwolkwitz am vorigen Nachmittag nicht sonderlich günstig abgelaufen war, daß Milhauds alte Dragonerregimenter, aus Spanien gekommen, nicht überall das Feld behauptet hatten. Der König selbst, durch sein theatralische Äußere als Zielscheibe dienend und wie gewöhnlich allzu nah an den feindlichen Linien auf seinen mit Quasten und Schnüren überladenen Renner herumtänzelnd, war dort nur mit Mühe der Gefangenschaft entronnen...

Ingenieurchef General Rogniat

Ingenieurchef General Rogniat ...15. Oktober 1813 ... Frage Napoleons an Rogniat: Haben Sie Abfahrt des großen Genieparks von Eilenburg nach Taucha (bei Leipzig) veranlaßt? Rogniat: Nein Sire, gab dieser trocken Auskunft, ich hatte keinen Auftrag dazu! Napoleon biß schweigend die Lippen zusammen. Keinen Auftrag! Das alte Lied!

... Hätten die Arbeiter und Werkzeuge des Genieparks sich beizeiten in Taucha befunden, wo Napoleon vorsorglich zwei Bataillone McDonalds zu belassen angeordnet hatte ... so würde Gohlis (heute Leipzig) die nötige Stärke gewonnen haben. Rogniat aber schämte sich nicht, seinen neidischen Querulantenwahn in seinen berüchtigten Betrachtungen über Kriegskunst Luft zu machen, worin seine Naseweisheit sich unterfängt, den Großmeister abzukanzeln, auch bezüglich technischer Unterlassungssünden bei Leipzig, die allein General Rogniat selber zu Last fallen...

Der alte Blücher schreibt aus dem Feld

Blücher an seine Frau ... Altenkirchen 11. November 1813 ... Nun bin ich am Rhein und beschäftige mich damit, diesen stolzen Strom zu passieren. Den ersten Brief, den ich Dich schreibe, will ich vom jenseitigen Ufer datieren. Was sagst Du nun, Du Ungläubige, ich hoffe Dich noch aus Paris zu schreiben und schöne Sachen zu schicken ... In diesen Augenblick erhalte ich meine Bestimmung, ich werd mit meiner Armee, die über 100.000 Mann werden soll, bei Frankfurt und über den Mittelrhein operieren. Ich kriege eine schwere Nuß aufzuknacken, aber es soll wohl gehen; auch über den Rhein soll man sagen: Die Preußen sind doch brave Leut. Sie haben Geist und Mut. Unsere Alliierten räumen uns den Vorzug ein und sagen, braver kann man nicht sein. Ich muß schließen, denn mein Pferd steht vor der Tür...





Denkmäler der Völkerschlacht bei Leipzig

Ernst Moritz Arndt war es, der bereits 1814 sich in den "Deutschen Blättern" für den Bau eines Völkerschlachtdenkmales einsetzte:

"Es darf kein kleines unscheinbares Denkmal sein, es muß draußen auf dem ehemaligen blutgetränkten Schlachtfelde stehen, und es soll so stehen, daß es ringsum von allen Straßen gesehen werden kann, auf welchen die verbündeten Armeen zur Entscheidungsschlacht herangezogen. Das Denkmal soll groß und herrlich sein, wie ein Koloß, eine Pyramide, ein Dom in Köln!"

1838 Schwarzenbergdenkmal errichtet. Gegenüber der Straßenbahnendstelle in Meusdorf. Durch die Familie des Fürsten Karl von Schwarzenberg gebaut. Von dieser Stelle aus soll er den drei Monarchen den Abzug der Truppen Napoleons und damit den Sieg in der Schlacht am 18. Oktober 1813 verkündet haben.
1845 Kugeldenkmal "Milchinsel": Die Kugeln stammen von verschiedenen Stellen des Schlachtfeldes. Standort auf der Kreuzung der Inselstraße, Hans-Poeche-Straße und der Chopinstraße. Es war der am 19.10.1813 zuerst eroberte Stadtteil Leipzigs.
1847 Monarchenhügel bei Meusdorf - Schwarzer Obelisk. Auf der Marmorplatte am Fußes des Denkmales steht folgende Inschrift: "GOTT WAR MIT UNS!" Hier verweilten die drei verbündeten Monarchen Kaiser Franz I von Österreich - Kaiser Alexander I von Rußland - König Friedrich Wilhelm III von Preußen und waren Zeugen der außerordentlichen Tapferkeit Ihrer Truppen.
1850 Kugeldenkmal Möckern: Erst seit 1858 vor der Möckernschen Kirche - Georg-Schumann-Straße / Dantestraße; es erinnert an die Kämpfe am 16. Oktober 1813 und an den Sieg Blüchers.
1852 Galgenbergdenkmal - Galgenberg an der Verbindungsstraße zwischen Liebertwolkwitz nach Wachau: Am 16.10.1813 Standort von Napoleon, und am 18.10.1813 hielten sich hier die drei Monarchen auf, bevor sie ihre Stellung am Monarchenhügel bezogen.
1856 Kolmbergdenkmal auf den Kolmberg nordöstlich von Liebertwolkwitz bzw. südlich von Holzhausen: Am 18.10.1813 Kämpfe zwischen den Österreichern unter Klenau und den Franzosen unter McDonald.
1857 Napoleonstein: Nähe des Eingangs zum Südfriedhof - Kreuzung Friedhofsweg / An der Tabaksmühle / Richard-Lehman-Straße. Von hier aus beobachte Napoleon am 18.10.1813 die Kämpfe; als er die Niederlage erkannte, gab er von hier aus den Befehl zum Rückzug.
1861-1864 wurden auf Initiative des Schriftstellers Dr. Theodor Apel an ehemaligen Schauplätzen der Völkerschlacht 44 Gedenksteine errichtet. Die Steine mit ungeraden Ziffern 1 - 43, die mit rundem Kopf enden und durch ein "N" gekennzeichnet sind, bezeichnen die damaligen Stellungen des französischen Heeres. Die Steine mit geraden Ziffern 2 - 44 enden spitz und sind durch ein "V" gekennzeichnet und bezeichnen die damaligen Stellungen der verbündeten Armeen. Weiterhin zeigen sie die Himmelsrichtungen an: N S O W oder SO SW usw.
1863 Brückensprengungsdenkmal auf der Grünfläche Ecke Friedrich-Ludwig-Jahn-Allee / Thomasiusstraße: Hier floß früher die Elster, nach dem Rückzug der französischen Armee wurde durch sie selbst die Brücke gesprengt. 19.10.1813, viele Franzosen ertranken in der Elster.
1863 Friccius-Denkmal an der Nordseite des Grassimuseums, im Täubchenweg: Major Karl Friccius, unter dessen Führung die Königsberger Landwehr am 19.10.1813 das äußere Grimmaische Tor stürmte.
1863 Am 18.10.1863 wurde der Grundstein für das Völkerschlachtdenkmal gelegt.
1898-1913 wurde das Leipziger Völkerschlachtdenkmal erbaut, weithin sichtbar.
1912-1913 wurde die Russische Kirche des Heiligen Sankt Alexei erbaut, Standort Philipp-Rosenthal-Straße / Semmelweisstraße.

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig

Wohin auch immer die Kunde vom Ausgang der Völkerschlacht gelangte, in die Begeisterung über den gemeinsamen Sieg der Verbündeten mischte sich der Schmerz um die gewaltigen Opfer, die diese Schlacht gefordert hatte. Und trotz der Not, die die Jahre der napoleonischen Herrschaft und der Befreiungskriege über die deutschen Länder gebracht hatten, wollte man den Helden für die Befreiung danken und ihrer in würdiger Form gedenken. Daß das nur auf dem Schauplatz der Völkerschlacht geschehen könnte, darüber gab es von Anfang an Einigkeit. Doch von der ersten Idee bis zu Errichtung und Vollendung des Völkerschlachtdenkmales verging ein volles Jahrhundert.

Der Deutsche Patriotenbund

Am 26. April 1894 wurde in Leipzig der "Deutsche Patriotenbund zur Errichtung eines Völkerschlachtnationaldenkmals bei Leipzig" gegründet. Die Idee hatte der Leipziger Architekt und Königliche Kammerrat Clemens Thieme, er wurde erster Vorsitzender des Patriotenbundes. Bereits im Frühjahr 1895 zählte der Bund 45'000 Mitglieder. In diesem Jahr erfuhr man, daß noch 5 Freiheitshelden der Völkerschlacht lebten, wenig später fand man 3 weitere Veteranen. Diese alten Helden wurden Ehrenmitglieder. Die Aufgaben des Patriotenbundes bestanden darin, den Gedanken des Denkmalbaues ins Land hinauszutragen, Werbung dafür zu treiben und das erforderliche Geld zu beschaffen. Die Stadt Leipzig stellte den Denkmalsplatz (42'000 Quadratmeter - 1/2 Reichsmark wert!) Dazu kam eine jährliche Zuwendung von 10'000 Reichsmark sowie 20'000 Reichsmark für Preisausschreiben. Ab 1903 wurde regelmäßig eine Lotterie durchgeführt.

Die Baumeister

● Prof. B. Schmitz: (1858 in Düsseldorf geboren) War der Schöpfer der Kaiser-Wilhelm-Denkmäler auf dem Kyffhäuser, an der Porta Westfalica und auf dem Deutschen Eck in Koblenz.
● Prof. Chr. Behrenz: (1852 in Gotha geboren) War langjährig Vorsteher des Meisterateliers in Breslau und Berlin. Er war der Schöpfer des Michaelisreliefs am Völkerschlachtdenkmal.
● Prof. Fr. Metzner: (1870 in Wascherau - Deutschböhmen geboren) Er war Musterzeichner und Steinmetz.

Das Völkerschlachtdenkmal

● Grundsteinlegung am 18. Oktober 1900; Einweihung am 18. Oktober 1913
● Kosten: etwa 6 Millionen Reichsmark
● Baudauer: 15 Jahre
● Material: Beuchaer Granitporphyr (Diorit) - 26'500 Granitblöcke (insgesamt 12'500 Kubikmeter Rauminhalt), 20 Millionen kg Zement
● Baugerüst: Eine Balkenlinie von rund 320 km Länge (Kosten 250'000 Mark). Die Arbeiten an den Fundamenten dauerten bis 1905, an jedem Arbeitstag wurden ca. 90 - 100 Kubikmeter Zementstampfbeton hergestellt. Das Gesamtgewicht des Denkmals beträgt 300'000 t oder 6 Millionen Zentner.
● Höhe 91 m, Fußbreite 126 m
● Kuppelhalle 60 m hoch, oberer Teil mit 324 Reiterbildern geschmückt
● In der Ruhmeshalle 4 Kolossal-Figuren, jede 9 1/2 m hoch. Sie stellen die Sinnbilder Tapferkeit, Opferfreudigkeit, Glaubensstärke und Volkskraft dar.
● Den Oberbau zieren 12 Stück 12 m hohe Kriegergestalten.
● Relief über der Freitreppe am Denkmal ist 60 m breit und 18 m hoch.
● Die Anlage des Wasserbeckens vor dem Denkmal war eine der letzten Arbeiten vor der Einweihung. In einer Größe von rund 162 x 79 m spiegelte die Wasserfläche das Denkmal in seiner vollen Gestalt wieder.