Die Buchstadt verdankt ihren Ruf im wesentlichen Lesenden und Lehrenden. Verleger wie Barth und Göschen, Brockhaus und Breitkopf, Reich und Reclam, Teubner und Kippenberg haben diesen Ruf mitbegründet.

Der bewegliche Geist hat in Leipzig die Lettern in Bewegung gebracht. Die Innung der Buchdrucker hatte mit Rektor und Rat allerdings zwei Herren. Diese bestimmten, was geschriebene "materia" werden konnte. Die Buchdrucker hatten zu schwören, gegen den Willen der Obrigkeit niemals etwas "auflegen noch drucken" zu wollen.

Dank Christian Thomasius wurde dann um 1687 auch an der Universität begonnen, die Sprache der Lebenden zu sprechen. In der jüngsten Geschichte sollte wiederum eine architektonische Veränderung die politischen Gegebenheiten an der Leipziger Universität demonstrieren. Auf dem zeitweilig in Karl-Marx-Platz umbenannten Augustusplatz wurden das kriegsbeschädigte klassizistische Denk- und das benachbarte Gotteshaus der Universität, die Paulinerkirche, weggesprengt und die neuen Verhältnisse in Beton und Bronze gegossen.

Die Wirkung des Baukörpers auf Lehre und Lehrkörper erklärt vielleicht, weshalb das Terrain der 1956 bis 1990 nach Karl Marx benannten Universität während der friedlichen Revolution im Herbst 1989 mehr illuminierte Kulisse denn geistiges Umfeld war.

Sichtbares Zeichen für den Wandel von der SED-Kaderschmiede zu einer freien, selbstverwalteten Universität ist die auf 14 angewachsene Zahl der Fakultäten. Aufbauend auf ihren Gründungssäulen hat die Leipziger Universität zur Lehre und Forschung in Philosophie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin ein seit 1990 stetig anwachsendes Studienangebot gestellt.

Als zweitgrößte Hochschuleinrichtung Sachsens und nach Prag und Heidelberg drittälteste deutsche Universität will die erneuerte Alma mater Lipsiensis als geistig-innovativer Kristallisationspunkt ihre traditionelle Wirkung auf die Stadt und das Land weiter verstärken. Die Jahr um Jahr im Ansteigen begriffenen Zahlen der Studierenden sind ein beredtes Beispiel für die gewachsene Ausstrahlung der Universität in und über den Kunst- und Wirtschaftsraum Sachsens hinaus.

Die das 19. Jahrhundert bestimmende hohe Zeit des Buchgewerbes hat in Leipzig mit dem "Graphischen Viertel" seine Entsprechung gefunden. Architektonischer Zierrat und Hauszeichen könnten noch heute als Exlibris der Baukunst gelten, wenn über dieses Viertel nicht die Bombardements des Zweiten Weltkrieges und die Produktionsverhältnisse der Verschleißzeit gekommen wären. Die gegenwärtige Wechselbeziehung von Abriß und Erhalt, Neuaufbau und Bestandsintegrierung findet sich markant in der baulichen Einbindung der erhalten gebliebenen Teile des Buchhändlerhauses in den Neubau "Haus des Buches".

Die vorhandene und von der Stadt geförderte Konzentration von Verlagen und Druckereien läßt diesen Standort heute Kerngebiet einer künftigen Medienstadt sein, die sich im Zeitalter der Vernetzung über die gesamte Region erstreckt.