Wolf

Der Wolf (Canis lupus) ist eine Hundeart in der Gattung Canis.

Systematik

Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Canis
Art: Wolf

Wissenschaftlicher Name

Canis lupus (Linnaeus 1758)

Merkmale

Grundsätzlich ähnelt der Wolf einem großen Haushund. Verglichen mit diesen haben Wölfe jedoch einen längeren Rumpf und einen höheren, aber schmaleren Brustkorb. Der Kopf ist relativ groß, die Stirn ist breit. Die Augen setzen schräg an, die Ohren sind eher kurz. Der buschige Schwanz hat etwa ein Drittel der Körperlänge. Die Färbung ist sehr variabel, es gibt weiße, cremefarbene, dunkle, gelbliche, rötliche, graue und schwarze Wölfe. In den gemäßigten Zonen Europas und Asiens überwiegen graue Wölfe, die nördlichen Populationen zeigen größere Anteile schwarzer und weißer Tiere. Meist überwiegen dunkle Haare auf dem Rücken und dem Schwanz. Bauch, Beine, Ohren und Schnauze sind meist deutlich heller gefärbt.

Maße und Gewichte des Wolfes sind aufgrund seines ausgedehnten Verbreitungsgebietes sehr unterschiedlich:

Die größten Wölfe (Verbreitung in Waldzonen Lettlands, Weißrußlands, Alaskas und Kanadas) erreichen eine Kopfrumpflänge von bis zu 160 cm, der Schwanz ist zusätzlich bis zu 52 cm lang. Die Schulterhöhe beträgt etwa 80 cm. Diese Wölfe können bis zu 80 kg wiegen.

Die kleinsten Wölfe leben im vorderen Orient und auf der Arabischen Halbinsel; ihre Körperlänge beträgt etwa 80 cm bei einem Gewicht von rund 20 kg und einer Schwanzlänge von etwa 29 cm. Die Weibchen sind um 2 bis 12 % kleiner als die Rüden und 20 bis 25 % leichter.

Unterschiede zum Hund

Die Unterscheidung von Wölfen und Hunden ist meistens möglich. In einigen Fällen ist es allerdings sehr schwierig, festzustellen, ob ein Individuum ein zu 100 % reiner Wolf ist.

Morphologische und anatomische Unterschiede
Wölfe tragen ihren Schwanz meist waagerecht oder etwas gesenkt, Hunde hingegen in der Regel nach oben oder eingerollt. Wölfe haben eine Violdrüse am Schwanz, die Hunden fehlt. Insbesondere am Schädel lassen sich zahlreiche Unterschiede zwischen Wolf und Hund feststellen, dies betrifft unter anderem die Form der Augenhöhle, der Ohrmuschel, des Praesphenoids, des Basis vomerus, der Fissura petrobasialis sowie die Form des Unterkiefers und die Anordnung der Schneidezähne im Unterkiefer.

Weitere Unterschiede
Wölfe bekommen nur einmal jährlich Nachwuchs, Hunde meist zweimal. Bei der Entscheidung, ob Fährten Hunden oder Wölfen zuzuordnen sind, hilft der Verlauf dieser Fährten. Wölfe setzen ihre Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfoten (s. o.), außerdem laufen sie im Rudel hintereinander und setzen ihre Pfoten jeweils in die Abdrücke des Vorderwolfes. Daher entsteht oft der Eindruck, daß man der Fährte eines einzelnen Wolfes folgt, bis sich die Fährte plötzlich in mehrere Individualfährten aufteilt.

Verbreitung und Lebensraum

Der Wolf war bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Er war in ganz Europa und Asien bis nach Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet. In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde die Art durch menschliche Verfolgung ausgerottet. In Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei, und zu einem geringeren Grade dem Iran gibt es noch größere zusammenhängende Populationen. Ansonsten ist der Wolf heute nur in isolierten Beständen (manche umfassen weniger als 100 Tiere) anzutreffen.

Wölfe bewohnen eine Vielzahl von Habitaten. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit läßt sie in den Eiswüsten der Arktis ebenso leben wie in den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. Die meisten Wölfe bewohnen Grasland und Wälder. Daß sie vor allem als Waldtiere bekannt wurden, liegt daran, daß der Mensch sie in großen Teilen des Verbreitungsgebietes frühzeitig aus offeneren Landschaften vertrieben hatte.

Systematik

Nach Bibikow ist die Unterartengliederung bis heute umstritten; seit 1985 gibt es Versuche einer genetischen Revision der Unterarten des Wolfes (Mitochondrial DNA Method). In den letzten Jahren hat man sich weitgehend auf eine Einteilung in 13 lebende und 2 ausgestorbene Unterarten geeinigt.

Unterart Wissenschaftlicher Name Historisches Verbreitungsgebiet Bemerkungen und Status
Polarwolf Canis lupus arctos kanadische Arktis, Grönland mittelgroß, weiß oder cremeweiß mit langem Fell; legalerweise bejagt, daher selten zu sehen; stabil
Timberwolf Canis lupus lycaon Südostkanada, östliche USA größere Unterart; sehr variable Fellfarbe von weiß bis schwarz, meist jedoch braun; in Teilen Kanadas legal bejagt; gefährdet
Büffelwolf Canis lupus nubilus südliche Rocky Mountains, Mittlerer Westen, Ost- und Nordostkanada, südwestlichstes Kanada und Südost-Alaska mittelgroß; meist grau, schwarz, gelbbraun oder rötlich; die häufigste Unterart in den USA; in Teilen Kanadas legal bejagt; stabil
Mackenzie-Wolf Canis lupus occidentalis Alaska, nördliche Rocky Mountains, West- und Zentralkanada sehr große Unterart; meist schwarz oder ein gemischtes grau oder braun, allerdings ist das gesamte Farbspektrum vertreten; Vertreter dieser Unterart wurden 1995 im Yellowstone Nationalpark und in Idaho wiedereingeführt; legal in Alaska und Teilen Kanadas bejagt, sonst geschützt; stabil
Mexikanischer Wolf Canis lupus baileyi Zentral-Mexiko, West-Texas, südliches Neu Mexiko und Arizona kleinere Unterart; meist gelbbraun oder rostfarben; seit 1998 in Arizona wieder eingeführt; die Zahl der wildlebenden Tiere beträgt 35-50, in Gefangenschaft leben etwa 300; vom Aussterben bedroht und geschützt
Tundrawolf Canis lupus albus nördliches Rußland, Sibirien relativ groß; typischerweise cremeweiß oder grau, obwohl auch andere Farben auftreten; legal bejagt; stabil
Russischer Wolf Canis lupus communis Zentral-Rußland sehr große Unterart; legal bejagt stabil, rückläufig
Eurasischer Wolf Canis lupus lupus Europa, Skandinavien, Rußland, China, Mongolei, Himalaya durchschnittlich groß; gewöhnlich kurzes, graubraunes Fell; die am weitesten verbreitete Unterart Europas und Asiens, geschätzte Anzahl: 100.000; in einigen Gebieten legal bejagt, in anderen geschützt; stabil
Italienischer Wolf Canis lupus italicus Italienische Halbinsel mittelgroß; Färbung variabel; stark gefährdet und geschützt
Kaspischer Wolf Canis lupus cubanensis zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer relativ klein; als Schädling verfolgt; stark gefährdet, rückläufig
Hokkaido-Wolf Canis lupus hattai japanische Insel Hokkaido kleinere Unterart; 1889 aufgrund von Nachstellungen mit Gift ausgestorben
Honshu-Wolf Canis lupus hodophilax japanische Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu gilt als die kleinste bekannte Unterart; 1905 durch Tollwut und menschliche Ausrottungsversuche ausgestorben
Indischer Wolf Canis lupus pallipes Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien sehr kleine Unterart; typischerweise gelbbraun, sandfarben, oder rötlich mit sehr kurzem, dichten Fell; als Schädling verfolgt; stark gefährdet, rückläufig
Arabischer Wolf Canis lupus arabs Saudi-Arabien, Jemen, Oman eine sehr kleine Unterart; normalerweise braun mit kurzem Fell; wird als Schädling verfolgt und ist daher selten zu beobachten; vom Aussterben bedroht, rückläufig
Ägyptischer Wolf Canis lupus lupaster Nordafrika kleine, schlanke Unterart; meist ein silbernes bis meliertes grau oder braun; sehr selten anzutreffen; vom Aussterben bedroht, unbekannt

Eng verwandt mit dem Wolf sind der Rotwolf (Canis rufus) aus Nordamerika (der vielleicht eine Hybride aus Wolf und Kojote darstellt), der Kojote (Canis latrans) und der Äthiopische Wolf (Canis simensis). Um den eigentlichen Wolf von diesen zu unterscheiden, wird er manchmal auch als Grauwolf bezeichnet - diese Bezeichnung ist allerdings im englischen Sprachraum (Gray Wolf) verbreiteter als in der deutschen Sprache.

Der Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) gehört zu den Hundeartigen, nicht aber zu den echten Wölfen. Der im frühen 20. Jahrhundert ausgestorbene australische Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) ist ein Beuteltier und ein gutes Beispiel für die Besetzung einer gleichen ökologischen Nische durch systematisch nicht verwandte Arten (Konvergenz).

Lebensweise

Verhalten und soziale Organisation
Obwohl man auch einzelne Wölfe in der Wildnis antrifft, ist die normale Sozialordnung des Wolfes das Rudel. Das Wolfsrudel besteht im Regelfall aus dem Elternpaar und deren Nachkommen, es handelt sich also um eine Familie. Wölfe werden erst mit zwei Jahren geschlechtsreif (Haushunde schon mit 7 bis 11 Monaten) und verbleiben bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. Die vorjährigen Jungwölfe unterstützen das Elternpaar bei der Aufzucht der neuen Welpen. Unter normalen Bedingungen besteht ein Rudel im Herbst also aus dem Elternpaar, dem Nachwuchs aus dem Vorjahr und dem Nachwuchs aus dem gleichen Jahr. Mit Erreichen der Geschlechtsreife wandern die Jungwölfe in der Regel aus dem elterlichen Territorium ab und suchen ein eigenes Revier. Die Elterntiere sind grundsätzlich dominant gegenüber ihrem Nachwuchs, Kämpfe um die Rangordnung gibt es daher nicht. Eine Paarung verwandter Tiere findet üblicherweise auch dann nicht statt, wenn keine anderen Sexualpartner zur Verfügung stehen, denn der Rüde verweigert eine solche Paarung.
In der Literatur findet sich häufig die Darstellung einer streng hierarchischen Rangordnung mit einem dominanten Alpha-Paar, das in der Regel die Nachkommen des Rudels zeugt, einer Gruppe nachgeordneter Tiere und einem schwachen Tier am Ende der Rangordnung in der Rolle des „Prügelknaben“ oder Omega-Wolfs. Diese Darstellungen sind das Ergebnis der Forschung an Wölfen in Gefangenschaft und keinesfalls auf natürliche Verhältnisse übertragbar. In Gefangenschaft wurden meist Wölfe unterschiedlicher Herkunft oder Familiengruppen zusammengesperrt und gezüchtet. Hier ist weder eine Abwanderung mit Erreichen der Geschlechtsreife möglich, noch die (mit der Abwanderung verbundene) Vermeidung von Verpaarungen verwandter Tiere. In diesen in Gefangenschaft gehaltenen Rudeln sind daher Auseinandersetzungen häufig.Die Tragzeit liegt bei etwa sechzig Tagen; in einem Wurf befinden sich in der Regel zwischen drei und sieben (selten ein, zwei oder acht bis vierzehn) Welpen.

Ernährung
Grundnahrung des Wolfes bilden im größten Teil des Verbreitungsgebietes mittelgroße bis große pflanzenfressende Säugetiere, er nutzt dabei die im jeweiligen Lebensraum dominierenden Arten. Wölfe jagen im Norden ihres Verbreitungsgebietes überwiegend im Rudel vor allem Elche, Rentiere und verschiedene Hirscharten. In Eurasien sind auch Wildschweine eine häufige Beute. Kleinere Säuger wie Hasen, Kaninchen, Wühlmäuse und Lemminge werden ebenfalls häufig erbeutet. In der Nähe des Menschen schlagen sie auch Schafe oder junge Rinder, Haushunde und Hauskatzen. In nahrungsarmen Zeiten frißt der Wolf sowohl Aas als auch Abfälle.
Vitamine und Spurenelemente nimmt der Wolf nicht nur über den Verzehr pflanzenfressender Beutetiere auf, sondern er frißt auch selbst pflanzliche Nahrung. Zur Nahrung des Wolfes zählen auch Heidelbeeren, Preiselbeeren, Brombeeren, Wildobst sowie Blätter von Seggen und Gräsern.
Die sprichwörtliche Gefräßigkeit des Wolfes gehört ins Reich der Märchen und Legenden; nach aktuellen Forschungen liegt der jährliche Nahrungsbedarf des Wolfes zwischen 500 und 800 Kilogramm pro Individuum; der Wolf frißt täglich im Durchschnitt 2 Kilogramm, dabei sind aber auch längere Hungerperioden zu berücksichtigen, in denen keine Beute gemacht wird. In Ausnahmefällen kann ein Wolf bis zu 10 Kilogramm Fleisch auf einmal verzehren, ein Teil davon wird jedoch wieder ausgewürgt und an anderen Stellen als Vorrat verscharrt. Wie beim Abhängen erleichtert die eintretende Zersetzung die spätere Verdauung. Auch die Jungen werden mit wieder Ausgewürgtem versorgt. Die versteckte Beute ist anderseits auch für den einen Wolf, der sie verschlang, gesichert, die Möglichkeit zur Vorratshaltung hat auch Einfluß auf das strenge Regelwerk bei der Verteilung einer gerissenen Beute im Rudel.
Jungwölfe verzehren auch verschiedene Insekten, insbesondere Käfer.

Mensch und Wolf

Domestizierung
Heute ist nachgewiesen, daß der Haushund vom Wolf abstammt. Wie Wölfe domestiziert wurden, ist unbekannt. Eine Annahme geht davon aus, daß sich vor etwa 14'000 Jahren Wölfe dem Menschen angeschlossen haben, um dessen Nahrungsreste zu vertilgen. Mit der Zeit wurden sie zutraulicher, und der Mensch erkannte ihren Nutzen. Eine andere Theorie ist, daß Wölfe zunächst als Fleischlieferanten dienten, ehe man herausfand, daß sie als Haustier anderen Nutzen haben konnten.
Die Verwandtschaft zum Wolf zeigt sich recht deutlich bei einigen Hunderassen; Hunde vom Urtyp (Gruppe 5 in der FCI-Klassifikation) wie der Samoyede, Siberian Husky, Alaskan Malamute, Kanaanhund oder der Akita Inu weisen einen ursprünglichen Typ mit spitzem Fang, spitzen Stehohren und quadratischem Körperbau auf; auch andere Rassen wie der Deutsche Schäferhund zeigen noch eine gewisse äußere Ähnlichkeit zum Wolf. Es ist jedoch ein Mythos, daß diese Rassen daher enger mit dem Wolf verwandt wären als andere.
Im 20. Jahrhundert wurde in Tschechien, aber auch in den Niederlanden und Italien mit Wolfseinkreuzungen experimentiert; Züchtungen wie der Saarloos-Wolfhund (FCI-Nr. 311) von Leendert Saarloos, der Tschechoslowakische Wolfhund (Československý Vlčák, FCI-Nr. 332) oder die Wolf-Schäferhund-Kreuzungszucht Lupo Italiano (von der FCI nicht anerkannt) gelten als gescheiterte Experimente. Wolfsverhalten schlägt bei diesen Tieren oft durch, sie sind dann ängstlich und scheu. Vom Halter erfordern diese Tiere fundierte Kenntnisse in Wolfs- und Hundeverhalten sowie außerordentlich viel Zeit und Einfühlungsvermögen, als Familien- und Begleithunde sind sie nicht geeignet.
Das Lautverhalten der Wolfs- und Schlittenhunde ähnelt dem der Wölfe, sie bellen kaum und wenn, dann nicht anhaltend, statt dessen jaulen und heulen sie in vielen Variationen.

Einstellung des Menschen zum Wolf
Viele Völker, die von der Jagd lebten (Nordeuropa, Nordamerika), sahen im Wolf einen ihnen ebenbürtigen oder überlegenen Konkurrenten, dessen Ausdauer und Geschick bewundert und begehrt waren. Der Wolf wurde auch als Beschützer oder als übernatürliches Wesen betrachtet und verehrt. Vornamen wie Wolf, Wolfgang oder Wolfhard erinnern an die Wertschätzung des Tiers. Verschiedene Teile des Wolfs galten auch in Deutschland als heilkräftig. So sollten Schuhe aus Wolfsfell Jungen zu tapferen Männern erwachsen lassen.
Dagegen wurde der Wolf bei vielen seßhaften Völkern als der Feind betrachtet, der die Nutztiere „raubt“. So erwarb er sich den Fabelnamen als blutrünstiger Isegrim. Ab dem Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurde die Beziehung des Menschen zum Wolf in Europa zunehmend einseitig von Angst und Dämonisierung geprägt. Die starke Ausbreitung menschlicher Siedlungs- und Agrarflächen, sowie die offene Viehhaltung, hier vor allem die bis ins 19. Jahrhundert verbreitete Waldweide von Rindern, Schafen, Schweinen und Pferden, führte zu zahlreichen Haustierverlusten durch Wölfe. Auch wenn die angegebenen Verluste in vielen Fällen sicher maßlos übertrieben waren oder durch wildernde Hunde verursacht wurden, dürften die Verluste bei dieser Art der Viehhaltung für die Bauern wirtschaftlich häufig bedeutend gewesen sein. Zu der direkten Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Wolf gesellte sich im Laufe der Zeit noch die Verurteilung des Wolfes als Jagdkonkurrent.
Berichte und Geschichten über „Wolfsplagen“ und Angriffe auf Menschen (zum Teil mit Todesfolge) finden sich bis in die Neuzeit in zahlreichen schriftlichen Quellen. So wird schon 1197 von einer „Wolfsplage“ an der Mosel berichtetet, die angeblich mehrere menschliche Opfer forderte. Noch 1849, also zu einer Zeit, als Wölfe in Mitteleuropa schon weitgehend ausgerottet waren, wurde aus Kottenheim eine „Wolfsplage“ gemeldet, als ein strenger Winter bis Ostern anhielt.
Diese Einstellung zum Wolf führte in West- und Mitteleuropa zu einer beispiellosen Verfolgungskampagne, deren Ziel schließlich, unabhängig von etwaigen Schäden, die völlige Ausrottung des Wolfes war. Der Wolf wurde unter anderem in Großbritannien (letzte Erlegung 1743), Dänemark (1772) und Deutschland (1904) ausgerottet. In Süd- und Osteuropa wurde dem Wolf (und anderen Großraubtieren) mit erheblich mehr Toleranz begegnet. Auch wenn dort bei verstärkten Schäden an Haustieren Wölfe regional und zeitlich intensiver verfolgt wurden, war dort die völlige Ausrottung nie Ziel.
Während die Erbeutung von Haustieren durch Wölfe unstrittig ist, entbehren die Berichte über Angriffe auf Menschen meist jeder Grundlage. Gesicherte Belege für Angriffe gesunder Wölfe auf Menschen konnten für Europa bisher nicht erbracht werden.
In Nordamerika zeigt eine Reihe von Fällen, daß es beim Kontakt von Menschen zu halbzahmen, durch ständige direkte oder indirekte Fütterung an Menschen gewöhnten Wölfen zu Mißverständnissen, unbeabsichtigten Provokationen u.ä. mit zum Teil fatalen Folgen kommen kann. In den letzten ca. 30 Jahren sind dort 39 Fälle von gegenüber Menschen aggressiven Wölfen bekannt geworden. In 12 dieser Fälle wurde eine Tollwutinfektion nachgewiesen oder vermutet. In 6 Fällen wurden die Menschen durch Hunde begleitet, vermutlich war hier der Hund Auslöser der Attacke. In 16 Fällen wurden Menschen von nicht mit Tollwut infizierten Wölfen gebissen. Diese Fälle waren durch die Opfer fast ausschließlich provoziert und hätten leicht vermieden werden können. Keine der Bißverletzungen war lebensbedrohlich, aber in 6 Fällen waren die Bißverletzungen ernst („severe“).

Wirtschaftliche Nutzung
Wölfe wurden über Jahrhunderte verfolgt und teilweise systematisch ausgerottet; daneben diente der Wolf aber auch als Pelzlieferant. Im 19. Jahrhundert wurden Wölfe vor allem mit Strychnin getötet, indem man ein getötetes Schaf damit imprägnierte und dieses auf die bekannten Wechsel der Wölfe warf. Wolfsfelle wurden in Schweden, Rußland, Polen und Frankreich hergestellt und verwendet; sie galten als um so wertvoller, je weißer sie waren. Die Wolfshaut wurde auch gegerbt und zu Handschuhen, Pauken- und Trommelfellen verarbeitet. In den meisten Ländern ist die wirtschaftliche Nutzung des Wolfes heute verboten, obwohl teilweise noch Abschußprämien gezahlt werden.

Gefährdung und Schutz
Seit dem 19. Jahrhundert ist der Wolf in Nord- und Mitteldeutschland sowie in England ausgestorben. Wolfspopulationen gab es damals noch in Ungarn, Galizien, Kroatien, Krain, Serbien, Bosnien, Rumänien, Polen, Rußland und Skandinavien.
In vielen Teilen der Welt, wo der Wolf noch vorkommt, wird er auch heute aktiv verfolgt. Allerdings setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, daß der Wolf keine Gefahr für den Menschen oder seine Landwirtschaft darstellt; vielmehr wird der Wolf zunehmend im Rahmen der Naturschutzbemühungen als ein willkommener Bestandteil der Tierwelt gesehen.
In Europa ist der Wolf durch drei Richtlinien geschützt.
● Dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora) vom 3. März 1973 gehören 152 Staaten an. Es stellt Richtlinien für den Handel mit geschützten Tieren und deren Erzeugnissen auf und schränkt die Ein- und Ausfuhr der Tiere oder ihrer Teile (Felle, Schädel, Knochen...) ein. Der Wolf ist hier in Anhang II (gefährdete Tierart) aufgeführt, einige Subpopulationen sind vom Aussterben bedroht und in Anhang I aufgeführt.
● In der Berner Konvention haben sich 45 Staaten auf die Erhaltung und den Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensräume verständigt. Der Wolf ist in Anhang II der Konvention aufgeführt.
● Die FFH-Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, 92/43/EWG) wurde 1992 von der EU in Kraft gesetzt und soll europaweit die Ausweisung und Erhaltung von Lebensräumen und Wildtieren regeln. Der Wolf ist hier in Anhang IV aufgeführt, sein Lebensraum in Anhang II. Diese Richtlinie ist von allen EU-Mitgliedsstaaten jeweils in nationales Recht umzusetzen.
In Deutschland wurde der letzte freilebende Wolf am 27. Februar 1904 in der Lausitz erschossen. Er war mit 1,60 m Länge und einem Widerrist von 80 cm sowie 41 kg Lebendgewicht ein sehr großer Wolf. Da es in der Gegend lange Zeit keinen Wolf mehr gegeben hatte, vermutete man hinter dem gerissenen Wild erst ein ausgebrochenes Zirkustier, weshalb er den Spitznamen „Tiger von Sabrodt“ (Ort des ersten Auftauchens) erhielt.Seit den 1990er Jahren sind immer wieder Wölfe über die polnische Grenze nach Deutschland eingewandert und hielten sich bevorzugt auf Truppenübungsplätzen auf. Obwohl sie streng geschützt sind, wurden sie immer wieder von Jägern geschossen - angeblich wegen Verwechslungen mit wildernden Hunden.
Dennoch sind die ersten Wölfe in der Oberlausitz in Sachsen schon heimisch geworden. Man geht davon aus, daß dort etwa 24 Tiere leben. Sie sind noch extrem bedrohte Seltenheiten, doch es scheint inzwischen möglich, daß der Wolf in Deutschland wieder heimisch wird. Insgesamt ist der Wolf wieder in vielen europäischen Ländern auf dem Vormarsch, beispielsweise in Spanien, Frankreich, Italien, Schweiz, Slowenien, Kroatien, Slowakei.
Die im Juli 2002 aus einem Wolfsgehege bei Klingenthal in Sachsen entwischte Wölfin „Bärbel“ wurde am 19. Januar 2003 in Niedersachsen erlegt und löste zahlreiche Diskussionen um die Zulässigkeit dieser Maßnahme aus. Ein vermutlich aus einem belgischen Freigehege entwichener Wolf wurde am 21. Februar 2005 im Gebiet Heinsberg, NRW erschossen. Die Medien nannten ihn den „Eschweiler Wolf“.
Bei Auswilderungs- bzw. Wiederansiedlungsmaßnahmen entsteht häufig unter Schafhirten und -züchtern eine Ablehnung, weil diese wie auch bei Wiederansiedlungsmaßnahmen von anderen Wildtieren wie dem Braunbären um ihre Herden fürchten. In Bulgarien züchtet die Naturschutzorganisation Balkani Wildlife Society die Hirtenhunderasse Karakatschan und gibt sie kostenlos an Schafhirten weiter. Karakatschans schützen ihre Herden sehr effektiv durch einen angeborenen Schutzinstinkt, damit soll erreicht werden, daß die Akzeptanz für wild lebende Wölfe wächst.

Forschung
Noch Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Wolf beschrieben als „ungemein blutdürstig“, übermäßig gierig („würgt er viel mehr, als er fressen kann“) und „frißt auch seinesgleichen“; nach heutigen Erkenntnissen ist diese Charakterisierung aus Meyers Konversationslexikon von 1888 grundverkehrt. Diese Sichtweise, die den Erkenntnisstand der wissenschaftlichen Literatur dieser Zeit widerspiegelt, tradiert Vorstellungen vom Wolf, die sich erst im späten Mittelalter entwickelt hatten.
Die systematische Beobachtung des Wolfes mit modernen wissenschaftlichen Methoden, die über das Ausmessen gefangener Exemplare, kurzzeitige Beobachtungen und Vermutungen hinausgehen, begann erst Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie fanden zunächst vorwiegend in Nordamerika statt, da es dort noch große, naturbelassene Gebiete mit gesunden Wolfspopulationen gibt, und da durch populäre Romane und Berichte (etwa Farley Mowat's Never Cry Wolf oder Lois Crisler's Arctic Wild und Captive Wild) das Bild vom Wolf als dem Untier schon relativiert worden war.
Als eine der wichtigsten frühen Arbeiten gilt heute die von L. David Mech auf der Isle Royale im Oberen See durchgeführten Langzeitbeobachtungen. Weitere wichtige Beiträge stammen beispielsweise von Adolph Murie (The Wolves of Mt. McKinley) und Henry S. Sharpe (Wolf and Man: Evolution in Parallel).
In Deutschland sorgten vor allem die jahrelangen Forschungsarbeiten und die Bücher von Erik Zimen für einen Wandel der Vorstellungen vom Wolf.

Der Wolf in Mythos und Literatur

Der Wolf spielt als Motiv in den Mythologien, Sagen und Märchen sowie in der Literatur und Kunst zahlreicher Völker eine zentrale Rolle. Dabei spiegelt sich die ambivalente Einstellung des Menschen gegenüber dem Wolf wider. Einerseits verehrt er ihn als starkes und überlegenes Tier, zum anderen projiziert er auf das aggressive Tier verschiedenartigste Ängste (vgl. Abschnitt Einstellung des Menschen zum Wolf).

Totem-Kultur
In etlichen Kulturen erscheint der Wolf als Totem, etwa bei dem Indianerstamm der Tlinkit, bei den Irokesen, bei den Turkmenen und bei den Mongolen. Die Usbeken und die Hunnen leiteten ihre Herkunft vom Wolf ab, ebenso galt die Wölfin als Urmutter der alten Türken.

Bibel
Bereits in der Bibel wird der Wolf mehrfach als die Herden reißendes, gefährliches Tier dargestellt, so etwa in Gen. 49,27; Jer. 5,6; Joh. 10,12. Wenn "der Wolf beim Lamme" liegt, so bedeutet dies dementsprechend die Verbindung von Ungleichem und wird daher von Jesus Sirach als Gleichnis für den Umgang zwischen Sündern und Gerechten gebraucht, Sir. 13,21. Jesaja indes verwendet das utopische Bild als Metapher für den Anbruch des Reiches Gottes, Jes. 65,25.

Griechische Mythologie
Die griechische Göttin Hekate, die mit dunkler Hexerei und Zauberei in Verbindung stand, wurde in der bildenden Kunst häufig in der Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Der griechische König Lykaon wurde von Zeus in einen Wolf verwandelt.

Die säugende Wölfin
Die Gründer der Stadt Rom, die Zwillinge Romulus und Remus sollen von einer Wölfin gesäugt und aufgezogen worden sein. Die Geschichte beruht indes auf einem Mißverständnis: Das Wort lupa bedeutet im Lateinischen sowohl „Wölfin“ als auch „Hure“. Mit diesem Wort war ursprünglich Lavinia, die leichtlebige hurende Gattin des Hirten Faustulus gemeint, der das Brüderpaar aufgezogen hatte. Vergleichbare Überlieferungen gibt es aus dem indischen Raum; auch die slowakischen Recken Waligor und Wyrwidub) sowie der Gründer des altpersischen Reiches, Kyros, sollen von Wölfen aufgezogen worden sein. Auch das moderne Motiv der Wolfskinder hat hier seine Ursprünge.

Germanische Mythologie
In der germanischen bzw. nordischen Mythologie werden dem Siegesgott Odin neben zwei Raben auch die Wölfe Geri und Freki beigesellt, die als streitlustige und tapfere Tiere den Kampf verfolgen und sich auf die gefallenen Leichen stürzen. Lokis Sohn, der Fenriswolf, verschlang zu Beginn der Götterdämmerung den Mond. Der Wolf Ysengrin des Mythos besitzt viele Wesensmerkmale des verschlagenen Fuchses. Germanischen Ursprungs ist auch die Figur des Werwolfs, eines Bastards der ungeachtet seines Lebens in der bürgerlichen Gesellschaft, zeitweilig in seine Wolfsgewohnheiten zurückfällt.

Sonstige Kulturen
Den Chinesen galt der Wolf als Symbol für Grausamkeit, Gefräßigkeit und Gier.
Die nordamerikanischen Ureinwohner kennen mit dem Waheela eine Art Geist in der Gestalt eines riesigen Wolfes.

Literatur
In den Fabeln der antiken Autoren Äsop und Phädrus, deren Stoffe später insbesondere von Jean de Lafontaine und Gotthold Ephraim Lessing aufgegriffen werden sollten, werden negative menschliche Charaktereigenschaften wie Habgier, Streitlust, Heimtücke und Verschlagenheit auf den Wolf projiziert. Bekannte Fabeln sind etwa Der Wolf und das Lamm, in der der Wolf mit aller Macht einen Vorwand sucht, um das mit ihm am Fluß trinkende Lamm zu zerreißen. In Löwe, Wolf und Fuchs fällt eine vom Wolf angezettelte Intrige auf ihn zurück. In Der Wolf und der Kranich betrügt er einen hilfsbereiten Vogel um seinen Lohn. In Der Wolf und der Hund wird er als Vertreter des gefährdeten, aber freien Lebens im Gegensatz zum unter dem Joch lebenden Haushund dargestellt. Bekannt ist auch die Fabel vom Hirtenjungen, der so oft um Hilfe wegen angeblicher Wölfe rief, bis ihm niemand half, als eines Tages wirklich ein Wolf seine Herde riß.
Als negative, bösartige Figur erscheint der Wolf auch in den meisten Märchen. In Grimms Rotkäppchen etwa erschleicht er sich das Vertrauen eines kleinen Mädchens, frißt dann dessen Großmutter und will am Ende auch Rotkäppchen selbst fressen. In Der Wolf und die sieben jungen Geißlein verschafft er sich mit durch Kreide verfälschter Stimme Zutritt zum Haus einer Ziegenfamilie und verschlingt alle deren Kinder bis auf eines. In beiden Fällen werden die Opfer gerettet und die Wölfe getötet. Einige Märchen der Gebrüder Grimm (Der Wolf und der Mensch, Der Wolf und der Fuchs, Der Fuchs und die Frau Gevatterin) berichten von weiteren Wölfen, denen ihre Habgier und Aggression teuer zu stehen kommt: Sie werden zu Opfern sowohl der überlegenen Körperkraft des Menschen wie der Schläue von Füchsen. Aus dem angelsächsischen Bereich schließlich stammt das Märchen vom Wolf und den drei Schweinchen.
In der modernen Wolfsliteratur findet sich das Wolfsmotiv insbesondere in Rudyard Kipling Das Dschungelbuch und bei Jack London (Ruf der Wildnis, White Fang). In Hermann Hesses Roman Steppenwolf schließlich wird das Wolfmotiv als Metapher für die animalische, die triebgesteuerte Seite des einsamen und menschenscheuen Protagonisten Harry Haller benutzt. Ein bekannter Phantasy-Roman von Käthe Recheis trägt den Titel Der weiße Wolf.

Comic und Zeichentrickfilm
Auch in Comics und Zeichentrickfilmen tauchen vielfach Wölfe auf.
In Disney-Zeichentrickfilm Three little Pigs will ein schlaksiger, schwarzfelliger Wolf mit bunter Latzhose und Schlapphut die Häuschen der drei Schweinchen umblasen. Bei jenen aus Stroh und Holz gelingt ihm dies, nicht so indes bei dem aus Stein. Unter Aufgreifung des Verkleidungsmotivs aus Rotkäppchen nähert er sich den Schweinchen im Aufzug einer alten Frau. Der Kurzfilm beinhaltete auch den von Frank Churchill geschriebenen berühmt gewordenen Song Who's Afraid of the Big Bad Wolf.
Im Disney-Comic Lil' Bad Wolf versucht ein böser Wolf namens Zeke (deutsch: Ede) erfolglos seinen Jungen nach seinem Bilde zu formen: Statt dessen schließt der Kleine enge Freundschaft mit den kleinen Schweinchen.
Ein weiterer schurkenhafter Vertreter der Gattung tritt im Disney-Film The big bad wolf auf. Er hat auch ein Gastspiel im Mickey Mouse-Cartoon Mickey's Polo Team von 1936, in dem Disney-Figuren gegen Zeichentrick-Versionen berühmter Schauspieler dieser Zeit Polo spielten.
Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Wolfs-Figuren Lupo, Lupinchen und Eusebia aus Rolf Kaukas Serie Fix und Foxi von 1953.
Auch in der auf Runer Jonssens Büchern beruhenden Zeichentrickserie Wickie und die starken Männer von 1974 kommen häufig Wölfe vor. Ausgehungerte Tiere von grotesk-zottiger Magerkeit, die den ängstlichen Wikingerjungen Wickie jagen.