Silvester

Woher kommt der Name?

Der letzte Tag des Jahres hat seinen Namen von einem stillen, beinahe unauffälligen Papst erhalten, der für die Geschichte und Entwicklung der Kirche von großer Bedeutung war. Silvester wurde am 31. Januar 314 zum Papst gekrönt und starb in Rom am 31. Dezember 335. Wie bei allen Heiligen wird der Todestag zum Gedenktag erhoben. Dieser Festtag wird von der Kirche seit dem Jahre 354 gefeiert.

Aber was war zu der Zeit Besonderes?
Zur Zeit der Priesterweihe von Silvester herrschte in Rom noch Christenverfolgung. Im Jahr 313, also noch zur Zeit des Papstes Militades und kurz vor Beginn seines Pontifikats, erfolgte auf Initiative Kaiser Konstantins (der Große) im Mailänder Edikt die nach ihm benannte "Konstantin'sche Wende". Es wurde Friede zwischen dem Römischen Reich und dem Christentum geschlossen. Das Christentum wurde mit dem Staat gleichgeschaltet, es wurde Staatsreligion.

Was hat Silvester dazu beigetragen?

Legenden über Legenden
Um den Papst Silvester ranken sich einige Legenden. So soll er maßgeblichen Einfluß auf die Taufe von Kaiser Konstantin und dessen Heilung vom Aussatz gehabt haben, aber diese Legende wurde erst im 5. Jahrhundert erfunden.
Von historischer Bedeutung wurde die Beziehung des Papstes Silvester zum Kaiser Konstantin durch die sogenannte "Konstantin'sche Schenkung". Dabei handelte es sich um eine gefälschte Urkunde, wonach Kaiser Konstantin angeblich den Vorrang Roms über alle Kirchen anerkannte, dem Papst kaiserliche Abzeichen verlieh, sowie die Herrschaft über die Stadt, Italien und die römischen Provinzen im östlichen Mittelmeerraum. Die im Mittelalter für echt gehaltene Urkunde entstand zwischen 752 und 806 wahrscheinlich in Rom und sollte der Verdrängung der auf dem Reichskirchenrecht beruhenden Oberhoheit des Kaisertums sowie als Stütze für die Ansprüche des Papsttums auf die Herrschaftsrechte in Italien dienen. Im 15. Jahrhundert wurde die "Konstantin'sche Schenkung" von Nikolaus von Kues (Cusanus) und dem Humanisten Lorenzo Valla als Fälschung erkannt, was seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch von der katholischen Geschichtsschreibung zugegeben wird.

Tatsachen
Tatsache ist, daß Kaiser Konstantin seinen Zeitgenossen Silvester völlig in den Hintergrund drängte. Das Christentum verdankte dem Kaiser und nicht dem Papst seine völlige Freiheit. Somit beanspruchte der Kaiser in der Kirche eine führende Stellung. Er griff in innerkirchliche Streitigkeiten ein, wie seine Einberufung des Konzils von Nizäa (325) zeigte (dort wurde das Dogma von der Göttlichkeit Christi und seine Wesensgleichheit mit Gottvater verkündet), bei dem Silvester nicht persönlich anwesend war, sondern nur durch Legaten vertreten war.
Aber unter Papst Silvester I wurde über dem Petrusgrab im Gräberfeld des Vatikanischen Hügels in Rom die erste Petruskirche (den Petersdom) errichtet. Auch wurden ihm die die großen Bauten wie die erste Lateranbasilika St. Paul übergeben, die der Kaiser in Rom bauen ließ.

Heidnisches Brauchtum & Neujahrstreiben

Wie so oft, trifft sich auch in der Nacht vom alten zum neuen Jahr heidnisches Brauchtum mit christlichem, immerhin ist es eine der wichtigsten Nächte in der Zeit der zwölf, die Rauhnächte genannt werden. Silvester ist die Mitte der sogenannten Rauhnächte.
Der germanische Volksglauben ging davon aus, daß in der dunklen Jahreszeit der Wintersonnenwende und der Rauhnächte die jenseitigen Mächte besonders lebendig sind und daß Wotan mit seinem wilden Heer mit Sturmesheulen und brausendem Lärm durch die Wälder und Lüfte saust. Mit Peitschenknall und großem Lärm versuchte man daher das Böse zu vertreiben und mit brennenden Holzrädern die Dunkelheit der Rauhnächte zu besiegen. Wenn sich auch die ursprüngliche Intention der Vorfahren gewandelt hat, so ist das freudige und lautstarke Begrüßen des neuen Jahres in Form von Gewehrschüssen, Böllerschüssen und Silvesterknallerei geblieben.

Das Neujahrstreiben
Neujahr war in der Geschichte und ist auch heute noch weniger ein kirchliches als ein weltliches Fest. In Rom fanden zu diesem Anlaß ausschweifende Feierlichkeiten mit Eßgelagen, Trinkgelagen und Opfergaben statt. Von den Christen wurde dieses heidnische Treiben zunächst gänzlich abgelehnt. Die Kirche in Rom versuchte gegen diese Bräuche und Riten anzugehen, indem sie den Neujahrstag zum Bußtag und Fasttag erklärte. Doch Mahnungen oder Drohungen halfen nichts.
Gegen Ende des ersten Jahrtausends entwickelte sich sogar ein Narrenfest, das an Neujahr und in den ersten Tagen im Jahr mit Maskeraden, dekadenten Liedern und unzüchtigen Tanzveranstaltungen begangen wurde. Dieses Narrenfest hielt sich lange, es wurden auch Gottesdienste parodiert und niedere Kleriker verkleideten sich als Narrenbischöfe. In Paris hielt dieses Narrenfest bis ins 15. Jahrhundert an. Jeder, der bei diesem Treiben mitmachte, mußte damit rechen, exkommuniziert zu werden.
Aber die Kirche mußte einsehen, daß das Volk nicht vom Feiern an Neujahr abzubringen war und sie versuchte andere Wege zu gehen. Im 13. Jahrhundert wurde das Fest der Beschneidung des Herrn auf den 1. Januar verlegt. Das sollte dem Neujahrsfest ein christliches Gepräge geben. Dennoch können alle kirchlichen Bemühungen gegen das heidnische Neujahrsfest im Laufe der Geschichte als gescheitert betrachtet werden.
Die heutigen Bräuche und Riten zum Jahreswechsel, Silvester und Neujahr, basieren zu einem Großteil auf den altrömischen und zum Teil auch auf germanischen Riten, wenn sie sich auch eher in die Abend- und Nachtstunden des Silvestertags verlagert haben. Ausgelassenes Feiern, Essen und Trinken, Tanzen usw. gehören ebenso zu einer Silvesterparty, einem Silvesterball oder einer Silvestergala wie das Silvesterfeuerwerk, Silvesterschießen oder das Neujahrsschießen zur Begrüßung des neuen Jahres. Auch abergläubische Ängste und Hoffnungen sind mit dem Jahreswechsel verbunden.