Schnupftabak

Bei Schnupftabak handelt es sich um eine feingemahlene Mischung aus einer oder mehreren Sorten von Tabak, die durch Einsaugen in die Nase konsumiert wird und seit ca. 400 Jahren in Europa bekannt ist. Das Nikotin entfaltet seine Wirkung über die vorderen Nasenschleimhäute; ein zu heftiges Einziehen kann daher Schmerzen verursachen. Aus diesem Grund wird der Schnupftabak nur langsam in das Nasenloch eingesogen. Nach längerem Gebrauch stellt sich jedoch ein „Gewöhnungseffekt“ ein, so daß der Schmerz weniger wahrgenommen wird.

Geschichte

Mittel- und südamerikanische Kulturen verwendeten Schnupftabak lange vor dessen Einführung in Europa. Die ersten Berichte des Mönchs Romano Pane, den Kolumbus auf seiner zweiten Reise auf der Insel Haïti zurückließ, handelten von einem seltsamen Ritual der Einheimischen. Im ersten Bericht von 1496 heißt es: „Immer wenn die Könige ihre Götter um Rat fragen wegen ihrer Kriege, wegen einer Steigerung des Fruchtertrages oder wegen Not, Gesundheit und Krankheit, schnupften sie in ihren Tempeln das Kraut in ihre Nasenlöcher. Das Pulver ist von solcher Kraft, daß es einem völlig den Verstand raubt.“ Im frühen 16. Jahrhundert dokumentierten portugiesische Seeleute Schnupftabakmühlen im heutigen Brasilien und Venezuela.

Um 1561 brachte Jean Nicot, französischer Gesandter am portugiesischen Hof, Tabakblätter und -saat nach Frankreich. Die französische Königin Katharina von Medici war bereits im 16. Jahrhundert eine der ersten und berühmtesten Schnupferinnen, die gepulverte Tabakblätter gegen Kopfschmerzen und Migräne einnahm und dadurch das Schnupfen hoffähig machte. Daher hieß der Schnupftabak lange Zeit das Pulver der Königin, poudre de la reine.

1677 entstand die erste Schnupftabak-Manufaktur der Welt, die königliche Tabakfabrik im spanischen Sevilla. Sie verarbeitete schweren Tabak der damals spanischen Kolonie Kuba und produzierte in ihrer besten Zeit um 1840 mit Hilfe von 40 Tabaksmühlen und 1'700 Arbeitern über 1'000 Tonnen Schnupftabak jährlich. Die wirtschaftliche Bedeutung übertraf andere Kolonialwaren wie Kaffee, Tee oder Rohrzucker um ein Vielfaches.

Nachdem in den deutschen Ländern Schnupftabake lange Zeit nur als Importware in Apotheken erhältlich waren, entstand 1733 die erste Schnupftabakfabrik in Offenbach am Main, die noch heute existierende Firma Bernard. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts setzten sich jedoch zunehmend die Rauchtabake, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts insbesondere die Zigaretten durch. Die meisten Schnupftabakfabriken setzten seit den 1920er Jahren, spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg, auf Zigaretten- und Pfeifentabake, so daß heute nur noch fünf Hersteller in Deutschland mit einer Gesamtleistung von 270 Tonnen jährlich existieren.

In letzter Zeit ist in Teilen Europas, insbesondere durch die immer strenger werdenden gesetzlichen Rauchverbote, ein Schnupftabak-Revival zu beobachten. Auch besteht eine eigentliche Schnupferszene mit Schnupfclubs, Schnupfmeisterschaften, Anbietern von Schnupfmaschinen, Onlineshops und dergleichen.

Demgegenüber steht ein Verbot von Tabakprodukten an gewissen öffentlichen Orten in der Türkei, dort ist neben dem Rauchen auch das Kauen und Einsaugen von Tabak verboten.

Schnupftabak-Arten

Bis vor 200 Jahren wurde Schnupftabak nicht als Pulver, sondern in Form von Karotten oder Bändern verkauft: Der Schnupfer mußte sie vor dem Genuß erst selber zu Pulver reiben. Im Rokoko des 18. Jahrhunderts setzte sich der Verkauf des stark parfümierten Pulvers von Frankreich ausgehend durch. Die Schnupftabaksdosen oder „Tabatieren“ begründeten einen neuen Bereich des Kunstgewerbes und sind heute als Prunkstücke eines jeden Tabakmuseums zu besichtigen.

Schnupftabake unterscheiden sich hauptsächlich nach Art der Herstellung, den verwendeten Tabaksorten und der Aromatisierung.

Schmalzler oder Brasil
Diese bayerische Spezialität gehört bis heute zu den Klassikern auf dem deutschen Schnupftabakmarkt, der sich hauptsächlich über Süddeutschland, Österreich und die Schweiz erstreckt. Schmalzler wurde ursprünglich aus gesoßten dunklen Brasiltabaken hergestellt, die zu langen Tabaksträngen, den „Mangotes“ geflochten wurden. Obwohl die fertigen Mangotes überwiegend importiert wurden, existiert bis heute der Beruf des Bandtabakmachers, der importierte oder - seltener - heimische Tabaksorten mit maschineller Unterstützung zu Endlosbändern flicht. Die besondere Eigenart des Schmalzlers und Grund des Namens war früher Butterschmalz, das die „Prise“ weniger staubig machte. Heute wird aus Konservierungsgründen ätherisches Tabaköl verwendet.
Schmalzler haben oft einen erdig-würzigen Geschmack nach Tabak, ohne oder mit wenig zusätzlichen Aromen, eine feste bis klebrig-feuchte Konsistenz und sind meist dunkelbraun bis fast schwarz. Der Tabak ist vergleichsweise grob zerrieben.

Snuff
Der heute meistverkaufte Schnupftabak stammt ursprünglich aus England (z.B. Wilsons of Sharrow, Gawith Hoggarth, Samuel Gawith, Fribourg & Treyer, McChrystal's, Toque), wobei der weltweit größte Hersteller die niederbayerische Firma Pöschl Tabak ist: Er wird vorwiegend aus hellen Virginia-Tabaken aus den USA und aus Afrika hergestellt, ist oft aromatisiert (z.B. mit Menthol oder Eukalyptus, Blüten-, Frucht- oder Kräuteraromen) und daher in Geschmack und Geruch grundverschieden zum Schmalzler. Snuff wird heute meist nach einer Schnellmethode verarbeitet, es gibt aber noch einzelne Marken, die Snuff jahrelang in Holzfässern reifen lassen. Somit gibt es auch hier große qualitative Unterschiede.
Der Geschmack des Snuff hängt stark von der Aromatisierung ab, typisch ist aber der "pfefferminzige" Mentholgeschmack, der den eigentlichen Tabakgeschmack bisweilen überdeckt; die Konsistenz variiert von staubig, pulvrig bis krümelig-klebrig, die Farbgebung reicht von hellem gelbbraun bis dunkelbraun. Snuff ist meist sehr fein gemahlen.

Klassische Schnupftabake
Die Urart der heutigen Schnupftabake wurde aus Tabak-Karotten gepulvert: Der gesoßte und aromatisierte Tabak wird fest zu großen karottenförmigen Gebilden gewickelt und über 4-7 Jahre, manche Sorten über 10 Jahre gelagert, also kalt fermentiert. Diese „Karottierung“ ist heute nahezu bedeutungslos geworden, die Karotten werden aber vereinzelt immer noch hergestellt. Die Karottierung ist die älteste Tabakverarbeitungsmethode überhaupt, vermutlich älter als das Tabakrauchen: Portugiesische Seeleute berichteten im frühen 16. Jahrhundert bereits von dieser Methode der südamerikanischen Ureinwohner, die zunächst von den europäischen Herstellern übernommen wurde. Diese Schnupftabake haben heute noch die wohlklingenden Namen der Städte, in denen die Hersteller ihre wohlbehüteten Rezepte oft über Generationen entwickelten und verfeinerten. Zu den bekanntesten zählen der „Spagniol“ aus Sevilla, „Pariser“, „St. Omèr“ oder „Straßburger“.
Klassische Schnupftabake schmecken meist intensiv nach Tabak, ohne oder nur mit feinen, parfümartigen Aromatisierungen, die den Tabakgeschmack stützen, aber selten überdecken. Klassische Schnupftabake sind mittelfein bis grob gemahlen; die Konsistenz ist oft feinkörnig und trocken, kann aber bis klebrig-feucht variieren.

Herstellungsverfahren

Traditionelle Verfahren
Die traditionelle Schnupftabakherstellung besteht aus einem langwierigen, mehrstufigen Prozeß. Zunächst werden Tabakblätter verschiedener Sorten, die je nach Sorte bereits anfermentiert sind, zu einer für den späteren Geschmack charakteristischen Mischung zusammengestellt.
Es folgt dann die Soßierung, bei der der Tabak mit einer wiederum charakteristischen, aromatischen Flüssigkeit benetzt wird. Danach folgt ein Fermentations- und Lagerprozeß, der unterschiedlich lang und kalt oder warm erfolgen kann. Insbesondere für alte Rezepte kann die Lagerzeit für die Tabake bis zur Reife mehrere Jahre betragen.
Wenn der Schnupftabak fertig ausgereift ist, wird er möglichst langsam getrocknet, um die Aromen nicht zu verlieren. Schließlich wird er zerrieben und ggf. noch mit zusätzlichen Aromamischungen versetzt.
Als letzten Schritt erhalten Schmalzler-Sorten noch den für sie typischen Zusatz von Ölen, die den Tabak geschmacklich nicht mehr verändern, sondern lediglich feuchter machen.
Je nach Sorte können mehrere Fermentations- und / oder Trockenprozesse erfolgen, um den gewünschten Geschmack zu erreichen.
Um einen einmal gefundenen, charakteristischen Geschmack einer Sorte in diesem aufwendigen Prozeß konstant beibehalten zu können, arbeiten einige Hersteller immer noch auf Maschinen, die zum Teil aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen. So arbeitet beispielsweise Samuel Gawith noch immer teilweise mit Maschinen aus den 1750er Jahren.

Schnellverfahren
Heute werden Schnupftabake oft nach Schnellverfahren ohne mehrjährige Lagerzeiten hergestellt. Jeder Hersteller wendet unterschiedliche Verfahren und teilweise Mischformen an, um seine charakteristischen Tabake zu erhalten.
Beim modernen Schnellverfahren zur Herstellung von Snuff wird aus den fermentierten und entrippten Tabakblättern ein Mehl hergestellt. Das Mehl wird mit einer Soßierungslösung angefeuchtet und 3-4 Wochen in einem kühlen Raum gelagert, in dem die Aromen ausreifen können, ohne eine zusätzliche Fermentation anzustoßen. Diese Methode wird vor allem mit hellen Virginiatabaken praktiziert, die später stark aromatisiert werden.

Bekannte Hersteller

sortiert nach Datum der Firmengründung

Fribourg & Treyer
Obwohl diese Schnupftabakmarke, seit 1720 auf dem Markt, längst von Wilsons of Sharrow übernommen wurde, verdient sie eine eigene Erwähnung aufgrund ihrer sehr alten Rezepte und ihres "europäischen" Geschmacks, die von keiner anderen Marke mehr so hergestellt werden. Die Tabake sind meist grob, feucht, weich, intensiv im Geschmack und äußerst "nasenschonend". Vor allem alte Rezepte aus Frankreich werden noch immer produziert, und auch die sehr gut schließenden schlanken Hochdosen mit Schraubverschluß sind heute einzigartig.

Gebrüder Bernard
Der erste und älteste Schnupftabakhersteller Deutschlands wurde 1733 in Offenbach gegründet. Heute ist Bernard Tabak in Sinzing (bei Regensburg) ansässig, seit Juni 2008 als "Bernard Schnupftabak GmbH". Die Firma produziert hauptsächlich klassische Schnupftabake („Alt-Offenbacher köstlich“, „Pariser No. 2“, „Gekachelter Virginie“, „Klostermischung“), sowie Schmalzler, etwa den bekannten „Original Schmalzlerfranzl Brasil“. Auch moderne Snuffs mit Menthol gehören zum Sortiment.

Wilsons of Sharrow
Um 1737 in Sheffield (England) gegründete Snuff-Manufaktur, mit über 250jähriger Tradition in der Schnupftabakherstellung. Der Name leitet sich von den Sharrow Mills (Sharrowmühlen) ab, in denen ein relativ breit gefächertes Angebot von Snuffs der Wilsons hergestellt wird. Außer den hauseigenen Snuffs werden in dieser Tabakmühle auch die Tabakprodukte des englischen Unternehmens Fribourg & Treyer (seit 1720) hergestellt.
Letztendlich bezieht auch die sehr populäre Marke McChrystal's (gegründet 1926 in Leicester, England) ihre Grundtabake von Wilsons – die Aromatisierung geschieht dann freilich bei McChrystal's nach geheimen und überlieferten Rezepturen.

Samuel Gawith
Einer der ältesten und traditionsreichsten Schnupftabakhersteller Englands. Die Firma Samuel Gawith wurde 1792 in Kendal (England) im sogenannten Lakeland District gegründet. Samuel Gawith verwendet die damals bereits aus zweiter Hand stammende Tabakmühle bis heute in der Schnupftabakherstellung. Die Schnupftabake der Firma Gawith zeichnen sich vor allem durch ihre sehr flauschige, luftige („fluffy“) und feine Beschaffenheit aus. In der mehr als 200 Jahre alten Mühle werden die Snuffs noch heute nach historischen Rezepten hergestellt. Das traditionell englische Angebot wird durch mehrere Sorten mit modernem, zum Teil fruchtigem Charakter ergänzt.

Pöschl Tabak GmbH & Co. KG
Pöschl Tabak (gegründet 1902) ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Schnupftabakhersteller. Weltweit soll der Marktanteil ca. 50 % und in Deutschland um die 92 % betragen. Bekannte Erzeugnisse der Firma sind „Gletscherprise“ und „Gawith Apricot Snuff“, der unter der Lizenz von Samuel Gawith hergestellt wird.

McChrystal's
McChrystal's ist die bekannteste Schnupfmarke in der Schweiz, sie stellt einen Großteil ihres Tabakangebots in England her. Durch ihre große Bandbreite an Schnupfsorten findet sie großen Anklang bei Schnupfeinsteigern (McChrystal's The Original and Genuine), überdies ist sie in sehr vielen Ländern an Kiosken vertreten.

Leonard Dingler
Leonard Dingler ist ein in Südafrika ansässiger Hersteller, der vor allem auf dem einheimischen Markt verbreitet ist. Auf ausländischen Märkten ist hauptsächlich die Marke „Magnet Menthol Snuff“ bekannt, obwohl Dingler auch Tabake führt, die in ihrer Natürlichkeit an bayrische Schmalzer erinnern. Die Tabake werden in ganz eigenen, sehr gut schließenden Kunststoffdosen angeboten und sind in der Regel grob und feucht. Dingler Tabake haben den Ruf die nikotinstärksten Tabake zu sein, und werden deshalb gerne für Raucherentwöhnung empfohlen.

Toque Snuff
Eine neugegründete Firma, die aufgrund der EU-weiten Rauchverbote mit "Don't SMOKE - Snuff TOQUE" wirbt. Laut Eigenangabe werden keine künstlichen Aromen verwendet. Eine Besonderheit von Toque ist, daß alle Tabake in Applikatoren angeboten werden, was dem Bedürfnis eines unauffälligen Schnupfens entgegen kommen soll.

Ritual

Das „Schnupfen“ ist mit verschiedensten Ritualen verbunden, z.B. ein Spruch bei jedem Schnupfen oder erneutes Schnupfen, wenn jemand geniest hat.

Schnupfen vom Handrücken
Das Schnupfen vom Handrücken bezeichnet die Aufnahme zweier kleinerer Häufchen vom Handrücken der Faust. Hierbei sollte darauf geachtet werden, die linke Hand zu benutzen, denn es wird als dilettantisch angesehen, den rechten Handrücken zu benutzen. Ebenfalls zu beachten ist, daß die „Schnupfer“ den kleinen Finger und den Daumen von der Faust wegspreizen, damit die Oberhandfläche gerade ist. Nun hält man sich die Hand unter die Nase und „schnupft“ das Pulver ein. Auch hier gibt es einige Fauxpas, die man möglichst vermeiden sollte: Ein zu heftiges Einziehen kann einerseits zu einem heftigen Niesreflex führen. Bei besonders feinem Schnupftabak kann es außerdem vorkommen, daß dieser direkt in den Rachen gelangt und dort ein sehr unangenehmes Brennen verursacht.

Schnupfen von den Fingerspitzen
Das Schnupfen von den Fingerspitzen bezeichnet die Aufnahme des Schnupftabaks, der zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten wird, und die direkte Zuführung zum einzelnen Nasenloch. Diese Methode verbindet sich mit dem Gebrauch der heute weitgehend nicht mehr verwendeten Schnupftabakdose. In früheren Zeiten war diese oft aus Silber gefertigte Deckeldose unentbehrlicher Bestandteil eines gesellschaftsfähigen Konsumverhaltens. Dieses Verfahren wird auch als "Englisch" bezeichnet, da in England vorwiegend auf diese Weise geschnupft wird.

Schnupfen in Linien von einer Unterlage, sogenannten „Lines“
Beim Schnupfen von einer Unterlage wird der Schnupftabak durch eine Kreditkarte oder Sonstiges in die Form einer dünnen Linie gebracht. Dann wird mit einem dünnen Röhrchen oder einer Schnupftabakmaschine der Tabak durch die Nasenöffnungen eingesaugt, aber auch hier sollte man auf zu heftiges Einsaugen verzichten, denn auch hier kann der oben genannte Niesreflex oder das unangenehme Brennen auftreten. Die Vorteile dieser Methode sind eine relative Sauberkeit für den Konsumenten, da keine Tabakreste an seinen Nasenlöchern oder seiner Hand verbleiben. Diese Methode ist in Gesellschaft als fraglich zu werten, da sie zum einen durch den Gebrauch von Hilfsmitteln als verhältnismäßig unhygienisch wirkt, zum anderen optisch auch eine Nähe zum Konsum von schnupfbaren illegalen Drogen (wie beispielsweise Kokain) zeigt.
In der Schweiz werden diese Lines auch als „Strassen“ oder „Autobahnen“ bezeichnet. Es werden vorwiegend zwei parallele Linien gezogen, die etwa 20-25 Zentimeter lang sind. Es kommt aber auch auf den „Schnupfer“ an, wie lange die Straße gezogen wird. Jedoch sollte man die Schnupfmenge nicht übertreiben. Es kommt darauf an, wie viel die jeweilige Person mag bzw. verträgt.
Ein spezielles Ritual des Straßenziehens ist auch das Formen zu bestimmten Figuren. Es werden Figuren, wie etwa Pentagramme, die Schweizer Grenze, Sterne usw. gestaltet und geschnupft. Dies erfolgt meist mit Kreditkarten, kann aber auch durch Schablonen gemacht werden.
Eine „härtere“ Variante, die selbst bei erfahrenen Schnupfern gefürchtet ist, ist das Schnupfen mit einem zuvor geknickten Strohhalm. Es wird mit dem geknickten Halm der gesamte Tabak bis zur Engstelle eingesogen, der Strohhalm wird während des Ansaugens wieder gerade gestellt, so daß ein „Klumpen“ mit einer hohen Geschwindigkeit in die Nase „geschossen“ wird. Diese Methode verursacht meist Schmerzen, und die Nikotinaufnahme wird durch das tiefere Einsaugen des Tabaks begünstigt.

Schnupftabakmaschinen / -schleudern
Die Herstellung und Benutzung sog. „Schnupftabakmaschinen“ hat in Süddeutschland eine lange Tradition. Diese (oft kunstvoll) aus Holz und Metall, manchmal auch aus Kunststoff hergestellten Geräte sollen mittels eines mechanischen Auslösemechanismus die Prise möglichst gezielt und kraftvoll in die Nase schleudern.
Während industrielle Massenprodukte wie Pöschls „Automatikbox“ hauptsächlich funktionell und praktisch gehalten sind, werden handgeschnitzte Maschinen oft sehr reichhaltig verziert und mit den absurdesten Auslösemechanismen versehen (herabfallender Hammer, Kurbel etc.). Solche aufwendigen (und teilweise recht großen) Maschinen werden dann allerhöchstens in geselliger Runde zur Aufheiterung benutzt und sind nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt.

Schnupfen mit mehreren Personen
Hier werden ebenfalls Lines gezogen, jedoch muß hier jede Person „seinen“ mitgebrachten Tabak mit dem der anderen vermischen. Der Mix wird wieder gleichmäßig aufgeteilt und mit Hilfe eines Geldscheines oder eines breiten Strohhalmes geschnupft. Dadurch, daß jeder meist eine andere Marke besitzt, ergeben sich immer wieder neue Geschmacksrichtungen. Mit mehreren Personen kann der Tabak auch wie oben beschrieben vom Handrücken geschnupft werden. Es werden jedoch die Finger so aneinandergehalten, daß diese einen Kreis ergeben.

Schnupftabakdosen

Die transportfähige Unterbringung von Schnupftabak erfordert geeignete Behältnisse. Viele der heute angebotenen Sorten werden in entsprechenden Dosen angeboten, die einerseits luftdicht abschließen, andererseits eine leichte Portionierung erlauben. Daneben wurden und werden spezielle Dosen gefertigt und angeboten. Klassische Varianten sind aus verschiedenen, teilweise edlen Materialien und mit aufwendigen Verarbeitungsweisen hergestellt. Abhängig von der Herkunft wurde und wird vor allem Horn, Messing oder Silber verarbeitet.

Besondere Schnupftabaksdosen sind Gegenstand eines eigenen Sammelgebietes. Silberne Dosen sind in der Regel innen vergoldet, um den Tabak möglichst unverändert aufbewahren zu können. Neben der runden Deckeldose gibt es zahlreiche eckige Formen sowie eine taschengerechte abgerundete Form. Neben den bis zu ca. 6 x 4 cm kleinen Taschendosen gab es auch größere Tischdosen. Eine besondere Rarität aus früherer Zeit ist die sogenannte „Beggar's Box“, eine Dose mit einem offensichtlichen Teil zum Anbieten und einem verborgenen Teil zum Eigengebrauch. Die Schnupftabaksdose war vor allem im 18. und 19. Jahrhundert ein gesellschaftsfähiges Schmuckstück, welches vor allem in England auch als Geschenk zur Anerkennung besonderer Leistungen beliebt war.

Gesundheit

Nikotin ist eine Droge und macht abhängig, egal ob es geraucht, gekaut oder geschnupft wird. Jedoch ist noch immer unklar, ob die Menge des enthaltenen Nikotins ausreicht. Die genaue Menge kann nicht festgelegt werden, da die Dosierung vom jeweiligen Konsumenten abhängt. Außerdem enthält jede Marke einen anderen Anteil an Tabak und somit auch an Nikotin. Es hat schon so mancher Raucher Schnupftabak als „gesündere Alternative“ (wie z.B. Nikotinkaugummi, -pflaster etc.) entdeckt oder sogar das Rauchen ganz aufgegeben. Im Gegensatz zum Rauchen von Tabak treten beim Schnupfen keine gefährlichen Verbrennungsprodukte (wie z.B. Benzol, Teer oder Blausäure) auf. Nach aktuellen Studien ist es also wesentlich weniger gesundheitsschädlich als der Konsum von Zigaretten, kann aber zur einer Nikotinabhängigkeit führen.

Wenn mehr geschnupft wird, als in der Nase gespeichert werden kann, besteht die Gefahr, daß der Tabak, der noch nicht sein enthaltenes Nikotin langsam an die Nasenschleimhaut abgegeben hat, den Rachen hinunterläuft (ist durch scharfen Geschmack bemerkbar) und somit in den Magen und anschließend in den Darm gelangt. Dies hat zur Folge, daß alles Nikotin in kurzer Zeit in die Blutbahn gelangt und somit einen „Nikotinschock“ auslöst. Dieser Effekt verursacht bei Menschen, die Nikotin nicht gewöhnt sind, Übelkeit, Brechreiz, Schwindelgefühl und in schlimmsten Fall Bewußtlosigkeit (es wurde ab Mengen von 2-5 Gramm Schnupftabak beobachtet).

Über die Schädlichkeit wird diskutiert: Auf der einen Seite werben die Hersteller mit Unbedenklichkeitsstudien, auf der anderen Seite warnt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg vor den Folgen. Während die Packungen einige Zeit mit dem Aufdruck „Dieses Produkt verursacht Krebs“ versehen waren, steht jetzt „Dieses Tabakerzeugnis kann Ihre Gesundheit schädigen und macht abhängig“ auf der Rückseite.

Eine neue unabhängige Studie (Süddeutsche Nasenkrebs-Studie) von Prof. Dr. Eberhard Greiser, Direktor des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin, hat ergeben, daß Schnupftabak allein kein Krebsrisiko darstellt. Im Beirat zu dieser Studie waren ebenfalls namhafte Ärzte des Krebsforschungszentrums Heidelberg, Universitäten und des Bundeswehrkrankenhauses Ulm beteiligt. Diese Studie wurde vom Tabakhersteller Pöschl finanziert und wird dort beworben.