Portwein

Portwein ist ein schwerer Wein aus Portugal. Die Trauben dürfen nur von Reben in einem genau umgrenzten Gebiet im nordportugiesischen Douro-Tal geerntet werden. Nach der Lese dieser Trauben (was noch heute von Hand geschieht) wird die Gärung des Weines durch Zugabe eines neutralen Wein-Alkohols (ca. 77 % Alkoholgehalt) unterbrochen. So entsteht der Portwein: ein natürlich süßer, verstärkter Wein. Der Wein verbleibt normalerweise ein halbes Jahr im Douro-Tal und wird auf der Straße (früher mit Schiffen, den Rabelos, die heute in Porto zu Dekorationszwecken vor Anker liegen) in die großen Portweinkellereien nach Vila Nova de Gaia, am Ufer des Douro gegenüber von Porto gelegen, gebracht, wo der eigentliche Reifungsprozeß von mindestens zwei Jahren beginnt.

Geschichte

Seit dem 7. Jahrhundert wird in Portugal Portwein hergestellt. Ende des 17. Jahrhunderts gelangte er nach England. In Folge des Kriegs mit Frankreich und der Verträge von Methuen (1703) wurde Port in England sehr beliebt. Auf die sprunghaft angestiegene Nachfrage folgte ein Qualitätseinbruch, aufgrund dessen Premierminister Marquês de Pombal 1756 eine Gesellschaft zur Garantie von Qualitätskriterien initiierte, eine frühe Art der regionalen Qualitätssiegel. Die Satzung sah unter anderem vor, daß ein Kataster der Douro-Ufer angelegt wird. Die Klassifizierung der Weinberge erfolgte in sechs Klassen auf der Grundlage eines Punktesystems mit den Faktoren Klima, Boden, Hangneigung, Meereshöhe, Ertragsmenge sowie Alter der Rebstöcke. Die Rebsorten wurden ebenfalls in drei Kategorien aufgeteilt.

Großbritannien ist auch heute eines der Hauptabnehmerländer, und Briten haben, neben Deutschen und Niederländern, als Besitzer von Portweinfirmen eine bedeutende Rolle gespielt – der größte Portweinabnehmer aber ist heute Frankreich. Das Portweininstitut in Porto hat errechnet, daß Frankreich derzeit (2003) gut 40 Prozent des Gesamtexports an Portwein abnimmt. Große Portweinfirmen sind Calem, Ferreira, Messias, Graham's, Barros, Quinta do Noval, Sandeman, Taylor's und Offley. Die meisten Portweinkellereien befinden sich heute im Besitz internationaler Konzerne. Es gibt nur noch wenige Familienbetriebe.

Der Wein

Der eigentliche Vorgang, der Wein zu Portwein macht, ist die Avinierung, also das Aufspriten des gärenden Mostes mit hochprozentigem Weindestillat. Hierbei wird die Gärung der Portweine – sowohl roter als weißer – durch Zugabe von ca. 80prozentigem Weindestillat gestoppt. Der Zeitpunkt des Stoppens bestimmt dabei den verbleibenden Restzucker, also die Süße des Portweins. Je weiter der Wein vergoren ist, desto weniger Weinbrand wird hinzugefügt. Portwein darf als Endprodukt einen Alkoholgehalt zwischen 19 und 22 Volumen-% aufweisen. Dadurch ist er lange lagerfähig.

Verschiedene Arten des Portweins sind:

● Ruby Port: Verschnitt verschiedenster Jahrgänge roter Trauben. Er wird nach mindestens zwei Jahren Lagerung im großen Faß (teilweise über zwanzigtausend Liter Fassungsvermögen) abgefüllt. Durch das große Volumen der Eichenholzfässer sind Ruby Portweine Weine, die wenig atmen und daher langsam oxidieren. Damit behalten sie ihre dunkle Farbe länger, und zeichnen sich durch einen fruchtigen Geschmack aus.

● Tawny Port (tawny = gelbbraun): Dieser Portwein ist etwas trockener und hat eine hellere Farbe. Er lagert, wie alle roten Portweine, für zwei bis drei Jahre im großen Faß, wird aber dann in die kleinen (~550 Liter) Fässer umgefüllt. Dort haben die Tawnies mehr Kontakt zur Luft. Daher altern Tawnies schneller, und oxidieren mehr. So bekommen sie ihre hellere Farbe, und einen Geschmack, der an trockene Früchte erinnert (Nüsse, Mandeln usw.) Es ist aber falsch, von einem trockeneren Wein zu sprechen, da der Zuckeranteil (im Vergleich zum Ruby) gleich bleibt.

● Old Tawny: Diese Weine lagern länger im Holzfaß. Es gibt sie als zehn, 20, 30 oder 40 Jahre alte Varianten. Die Altersangabe ergibt sich aus den Merkmalen des Verschnittes der verwendeten Komponenten, und wird vom Portweininstitut bestätigt. Aged Tawnies sind von wesentlich höherer Qualität als Standard Tawnies.

● White Port (white = weiß): Dieser Portwein wird aus weißen Trauben hergestellt. Der Wein lagert circa drei Jahre, bevor er kühl getrunken wird. Wie alle nichtdatierten Portweine wird er dann verschnitten und abgefüllt. Es gibt auch weiße Portweine mit jahrzehntelanger Lagerung / Reifung.

● Vintage Character Port: Dieser Port besteht aus den besten Weinen verschiedenster Jahrgänge nur aus dem Cima Gorgo Gebiet.

● Crusted Port: Verschnitt aus Spitzenweinen verschiedenster Jahrgänge, welche im Faß zwei bis drei Jahre lagert. In der Flasche bildet sich ein Bodensatz (crust). Sehr beliebt bei Kennern, die nicht den teuren Vintage kaufen wollen, da dieser Wein vom Charakter dem Vintage sehr nahe kommt.

Jahrgangsweine:

● Colheita / Reservas: Nach mindestens 7 Jahren Lagerung im Faß werden diese Weine, die aus verschiedenen Trauben eines Jahrgangs bestehen, abgefüllt. Man könnte Colheitas auch als Jahrgangs-Tawnies bezeichnen, da Colheitas, meist nur in Portugal im Regal zu finden, immer das Datum des Erntejahres auf der Flasche tragen.

● Vintage Port: Seltener und teurer Portwein der Spitzenklasse. Nur die besten Trauben aus einem Jahrgang werden für einen Vintage Port abgefüllt. Der Port wird zuerst zwei bis drei Jahre (genauer 24 bis 35 Monate) im großen Eichenfaß (wie übrigens jeder Portwein) gelagert und anschließend in Flaschen abgefüllt. Der weitere Reifungsprozeß des Weines findet in der Flasche statt und kann viele Jahre (wenn nicht Jahrzehnte) dauern. Dieser Wein wird ungefiltert in schwarze Flaschen gefüllt. Dadurch hat jede Flasche ihr "Depot", welches der Wein braucht, um sich in der Flasche weiter zu entwickeln. Nach frühestens zehn bis 12 Jahren ist der Vintage trinkreif. Der Wein wird dekantiert und sollte innerhalb von 24 Stunden getrunken werden. Das portugiesische Portweininstitut muß diesen Wein begutachten.

● Late Bottled Vintage Port ('LBV'): Verschnitt aus Trauben eines Jahrgangs, wie der Vintage Port. Er lagert aber vier bis sechs Jahre im Faß, bevor er in Flaschen abgefüllt wird. Hierbei gibt es den gefilterten und ungefilterten LBV. Im Gegensatz zu Vintages ist gefilterter LBV sofort trinkbar, weitere Lagerung trägt nicht zur Reifung und Verbesserung des Geschmacks bei. Ungefilterter LBV ist relativ selten und reift in der Flasche – ebenso wie Vintages – weiter.

Ausschließlich bei weißen Portweinen unterscheidet man zwischen unterschiedlichen Süßegraden:
● Muito Doce / Very Sweet
● Doce / Sweet
● Meio Seco / Semi dry
● Seco / Dry
● Extra seco / Extra Dry

Rebsorten

Über 80 Rebsorten sind heutzutage in der Region Douro zu finden. Rund die Hälfte davon ist für die Herstellung von Portwein zugelassen und in die Kategorien empfohlen, erlaubt und toleriert unterteilt.

Die wichtigsten Rebsorten zur Herstellung des roten Portweins sind Tinta Barroca, Touriga Francesca, Touriga Nacional (sie ist die hochwertigste Portweinrebsorte), Tinta Roriz, Tinta Amarela und Tinto Cão. Zugelassen sind ebenfalls die Sorten Bastardo, Cornifesto Tinto, Donzellinho do Castelo, Mourisco Tinto, Sousão und Tinta Francisca.

Beim weißen Portwein werden hauptsächlich die Rebsorten Malvasia Fina, Codega und Rabigato eingesetzt. Zugelassen sind ebenfalls die Sorten Donzelinho Branco, Esgana Cão, Folgazão, Gouveio, Malvasia Rei, Moscatel und Viosinho.

Die Reben kommen aus drei Gebieten:

● Dem Baixo Corgo um die Stadt Peso da Régua im westlichen Teil des Douro-Tals. Es umfaßt ca. 28 % des DOC Gebiets. In der Nähe des Atlantiks sind die Niederschlagsmengen höher als landeinwärts und die Temperaturen niedriger. Die Weinberge sind weniger steil, und die Erdschicht auf dem Schiefer ist tiefer und fruchtbarer. Von hier stammt etwa die Hälfte aller Portweine, vor allem die leichteren Ruby- und Tawnyqualitäten.

● Im Cima-Corgo rund um die Stadt Pinhão im Kreis Alijó wird etwa ein Drittel des Portweins hergestellt. Das Klima ist heißer und trockener, die Hänge sind steil, felsig und karg. Hier sind die berühmten Quintas der Spitzenerzeuger angesiedelt.

● Douro Superior reicht von São João da Pesqueira bis an die spanische Grenze. Das Klima ist extrem trocken. Hier werden nur an einigen Stellen Grundweine für Port hergestellt.

Welcher Port - wann und wie?

White Port wird normalerweise vor dem Essen gekühlt serviert. Man bewahrt ihn auch oft im Kühlschrank auf. Es gilt als modern, ihn mit Tonic Water als Longdrink zu servieren - Puristen lehnen dies ab. Hierbei serviert man zu etwa gleichen Teilen mit Eis und einer Scheibe Zitrone (sog. Portonic).

Ruby Portweine sind eher als Dessertweine zu sehen. Nach dem Essen, bei Zimmertemperatur, früher ausschließlich mit Käse und Nüssen, heute auch mit Schokoladendesserts oder ähnlichen süßen Gerichten. Aus Irland kommt der "Hot-Port", ein Verwandter des Glühweines: mit heißem Wasser, Zimt, Nelken und Zucker soll der Ruby Port alle Erkältungen heilen.

Tawny Ports sind die wohl vielseitigsten Portweine. Wurden sie früher nur als Verdauungsweine (frz.: digestif) nach dem Essen serviert, nimmt man sie heute (auch gekühlt) zu Vorspeisen wie Foie Gras, Quiche, Vol-au-Vin oder Nachspeisen aus trockenen Früchten.