Gedeckter Tisch

Es ist außerordentlich wichtig, daß die tägliche Nahrung nicht hastig, unwillig oder gar in ungepflegter Umgebung, sondern mit innerer und äußerer Ruhe eingenommen wird. Aus diesem Grunde soll der Tisch stets und nicht nur dann, wenn Gäste zu erwarten sind, sorgfältig gedeckt werden, so daß sich jeder gern und mit Appetit an seinen Platz setzt. Um ungehindert essen zu können, wird für jede Person eine Breite von wenigstens 60 cm am Tisch berechnet. Ein zu dichtes Beieinandersitzen stört die Behaglichkeit.Tischtuch

Im Hinblick auf die Farbe sind die Sitten nicht mehr so streng, da das weiße Tischtuch beinahe obligatorisch war. Zwar wird das weiße Tuch mit den dazu passenden Servietten noch immer für eine ausgesprochene Festtafel bevorzugt, aber beim Decken kleinerer Tische gefallen heute auch zartfarbene Tücher. Im Alltag bewähren sich auch durchsichtige Kunststoffolien, die über das Tischtuch kommen. Sie sind leicht sauberzuhalten und helfen Wäsche sparen. Sind kleinere Kinder mit am Tisch, so kann deren Platz damit belegt werden. Das Tischtuch sollte nach Möglichkeit immer auf einer Unterlage (Wachstuch oder einer anderen Schutzdecke) liegen, damit klappernde Geräusche beim Aufstellen des Geschirrs und Beschädigungen der Tischplatte vermieden bleiben. Das faltenlose Tischtuch muß ringsum gleichmäßig lang über die Tischkante hängen. Sets - also kleine Einzeldeckchen - lassen größere Teile der Tischplatte frei. Sie können deshalb nur dann aufgelegt werden, wenn diese Platte einwandfrei ist.

Geschirr

In jedem Haushalt wird es nach wie vor erstrebenswert sein, ein Eßgeschirr und ein Kaffeegeschirr (mit Teekanne) zu besitzen. Passen diese im Dekor möglichst gut zueinander, läßt sich viel kombinieren. Große Teller werden so aufgesetzt, daß sie den Tischrand nicht überragen, kleinere Teller sollen etwa 2 cm von der Tischkante entfernt stehen. Salatteller oder Kompottschälchen werden rechts oberhalb des Tellers aufgestellt. Sind aber Gläser vorgesehen, so stehen diese kleinen Teller links oben, weil Gläsern oder Tassen der Platz rechts oben vorbehalten ist. Beim Kaffeetisch wird der kleine Kuchenteller ebenfalls in die Mitte jedes Tischplatzes gestellt, und rechts oben daneben steht die Tasse. Die Kaffee- oder Teekanne sollte ihres Umfanges wegen (meist steht sie unter der Wärmehaube) auf einem herangerückten Teewagen oder Tischchen ihren Platz finden, damit sie keinen Tischgast in seiner Bewegungsfreiheit behindert.

                                    

Bestecke

Das Messer liegt - mit der Schneide nach innen - stets rechts vom Teller, die Gabel links, mit den Zinken nach oben. Eine Gabel findet nur dann rechts vom Teller ihren Platz, also dort, wo sonst das Messer liegt, wenn das Gericht allein mit der Gabel und ohne Messer gegessen wird. Der Suppenlöffel gehört rechts neben das Messer, und der Kompottlöffel liegt oberhalb des Tellers, mit dem Griff nach rechts. Anstelle eines Fischbesteckes lassen sich zwei Gabeln verwenden. Obstmesser können, sofern kein Kompottlöffel da liegt, entweder oben quer oder auf dem Obstteller liegen. Sind für eine Speisenfolge mit mehreren Gängen verschiedene Bestecke vorzusehen, so muß dasjenige außen liegen, das zuerst gebraucht wird. Der Kaffeelöffel wird auf die rechte Seite der Untertasse gelegt. Die Kuchengabel findet jeweils rechts neben dem kleinen Kuchenteller ihren Platz.



Gläser

Die Gläser werden oberhalb der Messer aufgestellt. Sind mehrere Sorten Wein vorgesehen (z.B. zum ersten Gang Rotwein, zum zweiten Gang Weißwein und als Abschluß Sekt), dann wird am weitesten rechts das Rotweinglas, links daneben das Weißweinglas und wiederum links daneben das Sektglas stehen. Mehr als 3 Gläser sollen bei einer Speisenfolge nicht aufgestellt werden, sie sind gegebenenfalls nachzureichen. Bechergläser (z.B. für Bier) sind auf passenden Untersetzern aufzustellen.



Servietten

Die Servietten liegen jeweils links neben dem Teller. Am Familientisch werden sie nicht nur einmal benutzt und deshalb durch unterschiedliche Ringe oder Taschen gekennzeichnet. Beim festlich gedeckten Tisch kann die Serviette auch auf dem Teller liegen oder in einfacher Faltung darauf stehen. Das für die Suppe oder eine Vorspeise bestimmte Brötchen findet häufig auf der Serviette, sonst auch auf einem kleinen Teller seinen Platz. Zu Kaffee- oder abendlichen Einladungen werden auch gern Papierservietten verwendet. Zum Dreieck gefaltete Papierservietten können unter die Gebäcktellerchen geschoben werden, sofern diese bei einem Kaffee- oder Teetisch aus Glas sind.

Tischschmuck

Der beliebteste Tischschmuck sind Blumen. Auch auf dem täglichen Familientisch sollte diese kleine Freude nicht fehlen, solange es die Jahreszeit erlaubt. Bei einer festlichen Tafel ist der Blumenschmuck unerläßlich, sollte jedoch niedrig gehalten werden, damit für keinen Gast die Sicht behindert ist. Stark duftende Blumen sind als Tischschmuck ungeeignet, auch hingestreute Blüten, die ohne Wasser rasch verwelken und dann einen traurigen Anblick bieten. In der Weihnachtszeit läßt sich Blumenschmuck durch Tannengrün, bei Kinderfesten durch feststehende Blumentöpfchen, in denen Zweige stecken, an denen Bonbons hängen, ersetzen. Wichtig ist es, daß aller Tischschmuck zusammen mit Tischwäsche und Geschirr ein harmonisches Ganzes bildet.

Das kalte Büffet

Ein kaltes Büffet bietet verschiedene Vorteile: Der Raum kann so umgebaut werden, daß Plätze für mehrere Sitzgruppen oder gegebenenfalls eine Fläche zum Tanzen frei wird. Gäste, die nicht zur gleichen Zeit erwartet werden können, finden immer eine zwanglose Bewirtung vor. Außerdem kann jeder sich aussuchen, was ihm schmeckt und zuträglich ist. Es gibt während der Festlichkeit keine Unruhe durch Tischdecken, Servieren und Abräumen. Zur Errichtung eines kalten Büffets wird meist ein größerer Tisch (auch Schreibtisch oder Anrichte sind passend) an die Wand gerückt. Es können aber auch kleinere Einzeltische so aufgestellt werden, daß sie von allen Seiten erreichbar sind. Auch beim kalten Büffet sollte ein Blumenschmuck nicht fehlen. Auf der einen Seite des Tisches oder auf einem kleinen Nebentisch bzw. Teewagen werden Teller, Schälchen, Gläser, Tassen, Gabeln, Löffel und Papierservietten angeordnet. Messer gehören im Allgemeinen nicht auf das kalte Büffet, da alle angebotenen Speisen mit Gabel oder Löffelchen zu essen sein sollten. Belegte Brote, Happenspießchen, pikante Salate, aber auch Kompott, Süßspeisen, frisches Obst und Gebäck in recht appetitlicher Aufmachung können auf dem kalten Büffet Platz finden. Sofern sie nicht als entbehrlich angesehen werden können, gehören warme Getränke auf ein Wärmeöfchen oder unter die Wärmehaube. Alkoholische Getränke soll es nicht in zu reicher Auswahl geben. Für Gäste, die Alkohol meiden müssen, sind Fruchtsäfte und Mineralwasser nicht zu vergessen!

Die Vorbereitung eines kalten Büffets erfordert zwar zunächst allerlei Überlegungen, doch können sich die Gastgeber später unbeschwert ihren Gästen widmen; denn nur gelegentlich braucht eine Salatschüssel ausgewechselt oder ein kaltgestelltes Getränk geholt zu werden. Im Allgemeinen ist es nicht schwer, den Geschmack der Gäste zu treffen, weil das kalte Büffet ja vielerlei bietet. Dennoch ist zu berücksichtigen, daß jugendliche Esser meist mit größeren Mengen bedacht sein möchten als ältere Menschen und Feinschmecker, die mehr Wert auf bekömmliche und besonders appetitliche Bissen legen.

Gemeinsam am Tisch

Harmonisch kann eine Tischrunde nur dann sein, wenn die Umgangsformen eines jeden so sind, daß keiner den anderen stört. Das gilt für die häusliche Gemeinschaft ebenso wie für den geselligen Kreis am Eßtisch des Betriebes, in der Gaststätte oder an einer festlichen Tafel. Aber nur Übung macht den Meister, und deshalb kann bei einem Menschen nicht früh genug damit begonnen werden, ihn auf gute Sitten aufmerksam zu machen und schlechte Gewohnheiten erst gar nicht aufkommen zu lassen. Hier wird kurz zusammengefaßt, was zu beachten ist, um sich am Tisch sicher zu fühlen.

Saubere Hände und eine einwandfreie Kleidung seien Selbstverständlichkeiten für jeden, der eine Mahlzeit einnehmen will! Gibt es keine im Voraus festgelegte Tischordnung, so wird sich jeder nach Möglichkeit gern mit ihm bekannten Menschen zusammensetzen - doch immer erst dann, wenn die Gastgeber im Begriff sind, selbst Platz zu nehmen. Bereitliegende Servietten werden vor Beginn des Essens auseinandergefaltet auf den Schoß gelegt. Dabei ist es meist günstig, wenn das Mundtuch am Gürtel oder an einem Knopfloch (nicht jedoch im Halsausschnitt) befestigt wird; denn das Aufheben heruntergefallener Servietten stört immer. Mit dem Essen sollte nicht eher begonnen werden, als bis alle Tischgäste zugelangt haben.

Die Unterhaltung am Tisch soll aufgeschlossen, aber zurückhaltend sein. Werden die Speisen nicht vorgelegt, sondern langt jeder Tischgast selbst zu, so ist das Stück zu nehmen, das am nächsten bzw. obenauf liegt. Dazu gehören selbstverständlich Vorlegegabeln oder -löffel, so daß niemand gezwungen ist, die eigenen Besteckteile zu benutzen. Die Speisen sind stets von der linken Seite anzubieten, weil so das Zulangen für den Tischgast einfacher ist. Eingeschenkt wird dagegen von rechts, wo ja auch das Glas oder die Tasse steht. Das benutzte Geschirr wird ebenfalls von der rechten Seite weggenommen. Will der Gast beim Einschenken behilflich sein, so kann er die Tasse auf der Untertasse stehend entgegenreichen. Gläser bleiben grundsätzlich auf dem Tisch stehen, nur Bier- und Sektgläser können von demjenigen hochgenommen werden, der einschenkt. Das für eine Brühe, Suppe oder Vorspeise bestimmte Brötchen oder Brot wird nicht vom ganzen Stück gegessen und auch nicht zerschnitten, sondern auseinandergebrochen. Heiße Gerichte sollen langsam vom Rande des Tellers her gegessen werden. Es ist nicht angebracht, sie schwungvoll umzurühren oder gar anzublasen, damit sie schneller abkühlen. Auf den Suppenlöffel darf tatsächlich nur so viel kommen, daß nichts herunterläuft, wenn der Löffel zum Mund (nicht der Mund zum Löffel!) geführt wird. Bei Gerichten, die mit Messer und Gabel zu essen sind, darf nicht alles zugleich kleingeschnitten werden, so daß die Speise unansehnlich auf dem Teller liegt. Mit dem Messer in der rechten und der Gabel in der linken Hand werden immer nur die Stücke mundgerecht abgeschnitten, die sofort gegessen werden. Bei weichen Speisen - beispielsweise bei Hackbraten, Beefsteak, Eiergerichten, Kartoffeln, Klößen, Gemüse, Reis und Teigwaren - dient das Messer nur zum Nachhelfen, nicht zum Zerschneiden. Fisch erfordert entweder ausgesprochene Fischbestecke oder jeweils zwei Gabeln. Nur Heringsgerichte dürfen mit Messer und Gabel gegessen werden. Bei Geflügel ist es nicht immer leicht, das Fleisch von den Knochen zu lösen. Im häuslichen Kreis dürfen deshalb die Knochen zuletzt in die Hand genommen werden, worauf an einer festlichen Tafel jedoch lieber verzichtet werden sollte. Knochen oder Gräten sind mit der Gabel möglichst unauffällig auf den Tellerrand oder in ein dafür bestimmtes Schälchen zu bringen. Wird frisches Stein- oder Kernobst aufgetragen, so benötigt jeder Tischgast dafür ein Obstmesser oder ein Desserttellerchen. Torte und feuchter Kuchen werden mit der Kuchengabel oder dem kleinen Löffel gegessen. Alles trockene Gebäck kann, möglichst noch einmal zerteilt, mit der Hand zum Munde geführt werden. Vor dem Trinken aus Gläsern ist es angebracht, die Lippen abzutupfen, damit am Glas kein Fettrand sichtbar wird. Das Weinglas soll nicht am Kelch, sondern am Stiel angefaßt werden. Dann gibt es beim Anstoßen auch einen hellen Klang. Tischreden oder Toasts, die gern bei größeren Festlichkeiten gehalten oder ausgebracht werden, sollen kurz und inhaltsreich sein. Wiederholungen, also Gedanken, die bereits der Vorredner zum Ausdruck brachte, sind unzweckmäßig. Es ist geschickter, eine Rede abzulesen als steckenzubleiben oder kein Ende zu finden. Rauchen am Eßtisch ist nur üblich, wenn alle Gäste mit dem Essen fertig sind. Es ist meist Angelegenheit des Gastgebers, für Tabakwaren zu sorgen. Die Gäste werden davon aber nicht eher zulangen, bis sie dazu aufgefordert worden sind. Stehen weder Aschenbecher noch Tabakwaren bereit, so ist ersichtlich, daß das Rauchen nicht erwünscht ist, und danach wird sich ein Gast in jedem Fall richten. Tellerchen, Untersetzer und Ähnliches ersetzen keine Aschenbecher!



Planung von Festen

Sind größere Festlichkeiten vorgesehen, sollte überlegt werden, ob es nicht günstiger wäre, die Mahlzeiten in einer Gaststätte einzunehmen. Dabei spielt nicht nur der häusliche Arbeitsaufwand eine Rolle. Erfahrungsgemäß lassen sich auch ohne fremde Hilfe im Haushalt kaum mehr als 8 Personen bewirten. Außerdem ist zu bedenken, daß der zur Verfügung stehende Wohn-, Küchen- und Vorratsraum meistenteils für eine große Feier gar nicht ausreichend ist. Auf jeden Fall sollten immer alle Möglichkeiten, die Dienstleistungseinrichtungen anbieten, genutzt werden - so beispielsweise auch die Zulieferung von Torten für eine Kaffeetafel oder kalten Platten oder Salaten für ein kaltes Büffet. Auf diese Weise wird es den Gastgebern möglich sein, unbeschwert mit ihren Gästen feiern zu können.