Excel

Beim Thema "Tabellenkalkulation" denkt man heute automatisch an Excel, aber das war nicht immer so.

Beginnen wir aber noch ein paar Jahre früher im Jahr 1978, als die Harvard Business School Studenten Dan Bricklin und Bob Frankston die "Tabellenkalkulation" erfanden. Vor 26 Jahren kannte man ein solches Programm nicht, und es stellte sich schnell heraus, daß die Idee absolut revolutionär war. Nur ein Jahr später verkauften sie bereits die erste Version von "VisiCalc", der weltweit ersten Tabellenkalkulation, damals für den Apple II. Nur um alles einmal in das rechte Verhältnis zu setzen: Systemvoraussetzungen für VisiCalc waren lediglich 32 kB Hauptspeicher. In 32 kB fanden also sowohl das Programm, das Betriebssystem und auch sämtliche Daten Platz...

Dabei hat sich seit den Tagen von VisiCalc an der grundsätzlichen Funktionsweise von Tabellenkalkulationen nichts geändert. Diagrammfunktionen, Formatierungen, Arbeitsmappen, Solver und vieles andere waren natürlich undenkbar, aber wenn Sie sich einmal überlegen, wie oft Sie Excel einfach nur für ein paar kleine Berechnungen verwenden, hätten Sie das im Prinzip auch bereits vor 26 Jahren mit VisiCalc tun können.

Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist, daß Sie das sogar live auf Ihrem eigenen Rechner ausprobieren können, denn Dan Bricklin (einer der damaligen Entwickler) stellt auf seiner Seite die erste Version von VisiCalc für den PC zum kostenlosen Download zur Verfügung: http://bricklin.com/history/vcexecutable.htm

Nachdem Sie die Lizenzbedingungen bestätigt haben, können Sie die nur 27 kB große Datei herunterladen (bitte unter dem Namen VC.COM auf Ihrem Rechner speichern) und direkt per Doppelklick starten. VisiCalc läuft unter allen Windows-Versionen, und Sie können sich davon überzeugen, daß sich wirklich Kalkulationsmodelle damit erstellen lassen. Etwas gewöhnungsbedürftig ist lediglich die Menüführung: mit / rufen Sie das Menü auf, das allerdings nicht aus den Menünamen, sondern nur aus den entsprechenden Anfangsbuchstaben besteht. Ein Blick auf die Referenzkarte ist daher anzuraten: http://bricklin.com/history/refcard1.htm

Erst nachdem VisiCalc erschienen war und über 1 Million verkaufte Exemplare aufweisen konnte, kam 1983 Lotus 1-2-3 auf den Markt. Die Grundidee wurde von VisiCalc übernommen, aber darüber hinaus hatte das Programm mit Diagrammen, Datenbank-Funktionen, Bereichsnamen und Makros erheblich mehr zu bieten. Es kam wie es kommen mußte: Lotus 1-2-3 wurde zum Marktführer und übernahm am Ende den Konkurrenten VisiCorp. Erst 1985 kommt dann schließlich Microsoft Excel ins Spiel, und zwar nicht auf dem PC, sondern auf dem Macintosh:

1985 - Microsoft Excel 1.0 für den Macintosh

Die erste Version von Excel für den Macintosh war ein Quantensprung in Sachen Benutzerfreundlichkeit. Eine komfortable Oberfläche, leicht zu bedienende Menüs, schnelles Markieren von Bereichen mit der Maus, eine Makrosprache, die nicht aus Tastaturkürzeln, sondern aus echten Befehlen bestand - kurz: all das, was heute ganz selbstverständlich ist, markierte damals einen echten Meilenstein der Softwaregeschichte. Endlich konnten Tabellenkalkulationen nicht nur von Computerexperten, sondern auch von ganz normalen Anwendern genutzt werden. Das ging soweit, daß sich viele ein komplettes Macintosh-System kauften, nur um mit Excel arbeiten zu können.

Für den PC hatte Microsoft ebenfalls eine Tabellenkalkulation veröffentlicht, aber "Multiplan" arbeitete ebenfalls unter der zeichenorientierten Oberfläche und konnte dem Marktführer Lotus 1-2-3 nicht gefährlich werden.

1987 - Microsoft Excel 2.0 für Windows

So entschloß sich Microsoft nach dem Erfolg von Excel auf dem Macintosh, das komplette Programm für Windows zu entwickeln und zusammen mit einer Runtime-Version auch für den PC zu veröffentlichen. Die Version 2.0 ist also die erste Excel-Version für den PC, aber "2" war die aktuelle Version auf dem Macintosh.

Bereits Excel 2.0 war Lotus 1-2-3 nahezu in allen Belangen überlegen, aber in einem wichtigen Punkt fehlte es: an der Geschwindigkeit. Windows und die grafische Oberfläche bremsten Excel ab, und so unterlag das Programm in allen Geschwindigkeitsvergleichen mit Lotus 1-2-3. Außerdem waren die Hardwareanforderungen so hoch, daß es zunächst nicht von einer großen Anzahl von Anwendern genutzt werden konnte.

1990 - Microsoft Excel 3.0

Mit Excel 3.0 wurde alles besser. Der Erfolg von Windows 3.0 / 3.1 tat ein Übriges, um aus Excel endlich einen ernsthaften Konkurrenten für Lotus 1-2-3 zu machen. Mit dreidimensionalen Diagrammen, Zeichenfunktionen, einer Gliederungsfunktion und Symbolleisten zur schnelleren Bedienung wurden zahlreiche neue Funktionen ergänzt.

1992 - Microsoft Excel 4.0

Nun wurde es ernst für Lotus, denn mit der Version 4.0 setzte Microsoft konsequent Anwenderwünsche um und konzentrierte sich dabei vor allem auf die Benutzerfreundlichkeit und die Kompatibilität zu Lotus 1-2-3:
● Drag & Drop von Tabellenbereichen
● Kontextmenüs über die rechte Maustaste
● "AutoAusfüllen" durch einfaches Ziehen mit der Maus
● Beliebig anpaßbare Symbolleisten
● Kreuztabellen (der Vorläufer der Pivot-Tabellen) zur Auswertung von umfangreichen Datenbanken
● Freies Rotieren von 3D-Diagrammen
● u.v.m.

Um Anwendern von Lotus 1-2-3 den Umstieg auf Excel so einfach wie möglich zu machen, konnte Excel 4.0 alle Lotus-Dateiformate (WK1 und WK3) lesen und schreiben. Lotus-Makros konnten automatisch konvertiert werden, und eine interaktive Online-Hilfe zeigte detailliert, wie Bedienungsschritte aus Lotus 1-2-3 nun in Excel ausgeführt wurden.

1993 - Microsoft Excel 5.0

Die wichtigste Neuerung in Excel 5.0 war zweifellos der Umstieg auf die Programmiersprache VBA. Die alte Makrosprache wurde zwar weiterhin unterstützt, aber angesichts der deutlich leistungsfähigeren neuen Sprache und der komfortablen Debugging-Funktionen nutzten die meisten Entwickler ab sofort VBA. In Deutschland war die Freude über VBA leider nicht ganz ungetrübt, denn man hatte die englischen Befehle tatsächlich ins Deutsche übersetzt. So waren deutsche Anwender gezwungen, mit Befehlen wie "Mit...Ende Mit" für "Do...While" oder "Wenn...Dann" für "If…Then" zu arbeiten.

Weitere Neuigkeiten in Excel 5.0 waren zum Beispiel:
● Mehrere Tabellen in einer Arbeitsmappe
● QuickInfos, wenn Sie den Mauszeiger über ein Symbol bewegen
● Funktions-Assistent
● Nutzung von Steuerelementen in Tabellen
● Assistent zum Import von Textdateien
● Pivot-Tabellen
● Microsoft Query als komfortable Datenbank-Schnittstelle

1995 - Microsoft Excel 95 (7.0)

Mit der nächsten Version "sprang" man dann direkt auf die Nummer "7", um alle Office-Applikationen auf eine Linie zu bringen. Excel 95 bot nur sehre wenige echte neue Funktionen. Im Wesentlichen ging es um das Umschreiben in eine 32-Bit-Applikation, die unter Windows 95 eingesetzt werden konnte.

1996 - Microsoft Excel 97 (8.0)

Das nächste echte Update war die Version 8.0. Für VBA-Entwickler gab es eine separate Entwicklungsumgebung, die einheitlich auch mit Word 97 und PowerPoint 97 genutzt wurde. Außerdem:
● Gültigkeitsregeln für die einfache Prüfung von Anwendereingaben.
● Hyperlinks in Tabellen
● Abfrage von Internet-Daten per Web-Query
● Markierung der Bereiche, die von einer Formel betroffen sind, durch farbige Rahmen
● Erweiterung der maximalen Tabellengröße auf 65.536 Zeilen
● UserForms zur komfortablen Gestaltung von eigenen Dialogen für Makros

1999 - Microsoft Excel 2000 (9.0)

Mit Excel 2000 wurde die Integration der Office-Applikationen unter einer einheitlichen Oberfläche mit zahlreichen gemeinsam genutzten Funktionen weiter vorangetrieben. So gab es nun über alle Office-Anwendungen hinweg eine erweiterte Zwischenablage, ein verbessertes Installationsprogramm und eine Reparatur-Funktion für defekte Installationen. Außerdem wurden digitale Signaturen für Excel-Makros sowie die bekannten Sicherheitsstufen eingeführt. Zu den neuen Funktionen der eigentlichen Tabellenkalkulation gehören:
● Erweiterung der Pivot-Tabellen und Einführung von Pivot-Diagrammen
● Verbesserter Import von Textdateien
● Unterstützung von HTML als Dateiformat

2001 - Microsoft Excel 2002 (10.0)

Excel 2002 gehört immer noch zu den am häufigsten genutzten Versionen. Neu eingeführt wurden:
● SmartTags und Aufgabenbereich
● Kompletter Pfad und Dateiname in Kopf- oder Fußzeile (endlich!)
● Grafik in Kopf- oder Fußzeile
● Zeichenfunktion zum schnellen Formatieren mit Rahmen
● Erweiterte Debugging-Funktionen zur schnellen Fehlersuche in Formeln
● Suchen und Ersetzen in der kompletten Arbeitsmappe

2003 - Microsoft Office Excel 2003 (11.0)

Und schließlich im letzten Jahr: Excel 2003. Voraussichtlich wird diese Version bis 2006 aktuell bleiben. Sie bietet unter anderem spezielle Funktionen zum Listen-Management, eine verbesserte XML-Unterstützung sowie Erweiterungen bei SmartTags und den statistischen Funktionen.