Atavismus

Der Begriff Atavismus (v. lat.: atavus - Urahn) bezeichnet
● ein bei einzelnen Individuen einer Art auftretendes anatomisches oder morphologisches Merkmal, das Merkmalsausprägungen entspricht, wie sie sonst nur bei deren stammesgeschichtlichen Vorfahren vorkamen. Man deutete den Atavismus, ausgehend von der veralteten sogenannten biogenetischen Grundregel, als Rückfall in eine stammesgeschichtlich ältere Entwicklungsstufe. Das Wiederauftauchen solcher im Laufe der Evolution aufgrund von Funktionsverlust zurückgebildeten Merkmale erklärt man durch Mutation oder durch eine Störung in der Embryonalentwicklung. Auch durch Kreuzung nahe verwandter Arten können Atavismen hervorgerufen werden. (Beispiele: Bei Huftieren entstehen gelegentlich überzählige Zehen, so genannte Griffelbeine. Bei Menschen können entlang der Milchleiste zusätzliche Brustwarzen ausgebildet werden. Bei Kakteen tauchen ab und zu Exemplare auf, die an einigen Stellen "normale" Blätter anstelle von Dornen aufweisen. Bei der Fruchtfliege Drosophila kennt man Individuen, bei denen die Schwingkölbchen zu häutigen Hinterflügeln umgebildet sind. In all diesen Fällen scheinen Gene, die bei den Vorfahren aktiv waren, später "eingemottet" wurden, aber ganz offensichtlich noch im Erbgut der betreffenden Organismen "schlummerten", wieder reaktiviert worden zu sein.)
● (i.w.S.) ein entwicklungsgeschichtlich als überholt geltendes, unvermittelt wieder auftretendes, körperliches oder geistig-seelisches Merkmal.